Glass: Galileo Galilei
Da hat einer das Teleskop erfunden, um die Sterne der Welt zu ergründen, und ist am Ende seines Lebens blind. «Habe ich zu viel gekniet oder zu wenig», fragt sich Galileo Galilei. Wurde er von Gott gestraft, weil er seine naturwissenschaftlichen Erkenntnisse vor der kirchlichen Inquisition widerrief oder weil er tatsächlich Gott gelästert hat durch seine Einblicke in den Kosmos?
Für den amerikanischen Komponisten Philip Glass war diese Frage der Ausgangspunkt für seine Kammeroper «Galileo Galilei» von 2002.
Ausstatter Hartmut Schörghofer hat für die deutsche Erstaufführung im Kleinen Haus des Staatstheaters Braunschweig die Sonne auf die Bühne geholt: eine raumfüllende Goldkugel, die anfangs bedrohlich auf den alten Galileo zurollt und in der rückwärts erzählten Biografie immer wieder die Raumwirkung ändert. Regisseur G. H. Seebach bemüht sich so um psychologische Vertiefung und kosmische Weitung der von Glass eher oberflächlich aneinander gereihten Lebensstationen. Die Parallelen zur McCarthy-Zeit oder heutigem Fundamentalismus haben den Komponisten nicht interessiert, und Seebach pfropft sie ihm nicht auf.
So wird's in Braunschweig in den besten Momenten ein Zauberstück, das zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Erfurter Oper ist mit diesem «Rosenkavalier» ein Wurf gelungen! Die Szene befragt die «Komödie für Musik» hintersinnig, entfaltet kluge Opulenz und gibt doch dem Theater, was des Theaters ist: in einer Welt zwischen kunstvoller Erfindung und dem Hofmannsthal’schen «Hätte durchaus so sein können». Die Wahrheit, die dieses Stück jenseits seiner funkelnden...
Friedrich Nietzsche hat den stilistischen Sonderstatus von Georges Bizets «Carmen» wohl als Erster metaphorisch auf den Punkt gebracht: «Diese Musik ist heiter», schrieb er 1888, dreizehn Jahre nach der skandalumwitterten Uraufführung an der Pariser Opéra Comique, «aber nicht von einer französischen oder deutschen Heiterkeit. Ihre Heiterkeit ist afrikanisch; sie...
«Where is Salome?» Richard Strauss sollte man vergessen, wenn die Komponistin Lucia Ronchetti und ihre librettistische Mitarbeiterin Tina Hartmann einen postfeministisch-ironischen Blick auf Oscar Wildes extrem reduzierten Text werfen. Drei Männer warten in Salomes Zimmer auf die biblische Gestalt: ein Knabensopran, ein Countertenor und ein Bass, die nacheinander...
