Verdi: Il trovatore
Dominik Neuners Bühnenbilder, die er selbst für seine Inszenierungen schafft, haben hohen Wiedererkennungswert. Wie bei der «Elektra» im April gab es auch beim «Troubadour» in Kassel eine gewaltige Schuttwüste, die sich aus abstrakten geometrischen Elementen aufschichtete, Rahmen, Ebenen, Höhlen, bestimmt vom «männlichen» rechten Winkel. Einziger Fremdkörper ein großer, runder, «weiblicher» Mond, Gefühlsfokus für die Figuren vom Grafen (Luna!) bis zu Leonora, der einzigen weiß Gewandeten unter den vier Hauptfiguren.
Es herrscht Krieg in Aragón, und es herrscht Nacht.
Alles spielt sich zwischen Weiß und Schwarz ab. Die Menschen sind gefangen in ihren Rollen. Die Männer führen die Waffen – «Krieg ist Menstruationsneid», sagt Neuner –, die Frauen sind Getriebene ihres Inneren, Azucena von Rache, Leonora von Liebe. Doch beide sind gefangen in der männlichen Welt. So gelingt es Leonora nicht, zum Mond vorzustoßen. Nur in wenigen Glücksmomenten mit Manrico kann sie den rechteckigen Rahmen verlassen, der ihr Gefängnis und Behausung ist.
Neuner stellt Mauricio als reinen Tor da, in Konflikte gezwungen, die nicht seine sind. Die Hoffnung auf Lösung ist verbaut wie die chaotische Bühne. ...
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