Einsamer, verwirrter Ritter

Opernwelt - Logo

Am Ende hat er alles verloren, der Ritter von der traurigen Gestalt: seine Bücher, die einen Abend lang die Bühne des Innsbrucker Landestheaters füllten, jetzt aber gen Himmel verschwinden; alle Menschen seines Lebens und damit die erträumten Figuren seiner Lektüre; schießlich sogar die Ärzte und Schwestern der psychiatrischen Klinik, als die sich seine Fantasie-Gespinste entpuppen. Denn auch sie wenden sich ab, einer nach dem anderen. Noch nicht einmal der treue Sancio Pansa wird als sein einziger Pfleger übrig bleiben.

Und weil das alles noch nicht schrecklich genug ist, spielt das Orchester dazu eine Bearbeitung des berühmten «La Follia»-Themas.
Dabei hatte alles heiter und unbeschwert begonnen, vielleicht sogar etwas langatmig, denn das Libretto von Pietro Pariati und die Inszenierung von Stephen Law­less brauchten einige Zeit, um in Fahrt zu kommen, alle Klischees vom tumben, hochgewachsenen Ritter und seiner Liebe zur unerreichbaren Dulchinea zu umschiffen und das hier dominierende Drama der Randfiguren aus der Vorlage zu schärfen. Viele schon in der Konzeption sehr unterschiedliche Versionen des Don-Quijote/Quichotte/Quixote-Stoffes nach dem Roman von Cervantes aus den Jahren ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2005
Rubrik: Thema, Seite 37
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
Weitere Beiträge
Das Besondere sein

Herr Konold, Sie sind seit diesem Jahr als Nachfolger von Wolfgang Gönnenwein künstlerischer Leiter der Ludwigsburger Festspiele und gleichzeitig Intendant des Staatstheaters Nürnberg. Was hat Sie an dieser Aufgabe und an dieser Doppelrolle gereizt?
Zwei Dinge. Zum einen: Ich vergleiche ein Staatstheater mit fünfhundert Mitarbeitern immer mit einem Supertanker. Sie...

Übereifer

Verdis «Don Carlo» verschiebt Schillers Perspektive, indem er die Innenansicht der Macht in den Vordergrund stellt. Diese bildet auch eines der Hauptthemen von Beverly Blankenships Regie, womit die Gestalt König Philipps II. in den Mittelpunkt rückt: ein Mächtiger, der ohnmächtig der Allgewalt der Kirche ausgeliefert ist.
Blankenship und ihre Bühnenbildnerin Heidrun...

Über den Dächern von Paris

Die Riesenbühne der Pariser Bas­tille-Oper lädt zu großen Bild­visionen ein. Warum nur, wie’s im Textbuch steht, eine enge nächtliche Straße mit schäbiger Taverne im Hintergrund, wenn man sich gleichsam das ganze Paris in Form einer Landschaft aus Dächern, Kaminen, hohen Mietskasernen im Hintergrund und unter einem nachthellen Himmel auf die Szene zaubern kann?...