Einsamer, verwirrter Ritter
Am Ende hat er alles verloren, der Ritter von der traurigen Gestalt: seine Bücher, die einen Abend lang die Bühne des Innsbrucker Landestheaters füllten, jetzt aber gen Himmel verschwinden; alle Menschen seines Lebens und damit die erträumten Figuren seiner Lektüre; schießlich sogar die Ärzte und Schwestern der psychiatrischen Klinik, als die sich seine Fantasie-Gespinste entpuppen. Denn auch sie wenden sich ab, einer nach dem anderen. Noch nicht einmal der treue Sancio Pansa wird als sein einziger Pfleger übrig bleiben.
Und weil das alles noch nicht schrecklich genug ist, spielt das Orchester dazu eine Bearbeitung des berühmten «La Follia»-Themas.
Dabei hatte alles heiter und unbeschwert begonnen, vielleicht sogar etwas langatmig, denn das Libretto von Pietro Pariati und die Inszenierung von Stephen Lawless brauchten einige Zeit, um in Fahrt zu kommen, alle Klischees vom tumben, hochgewachsenen Ritter und seiner Liebe zur unerreichbaren Dulchinea zu umschiffen und das hier dominierende Drama der Randfiguren aus der Vorlage zu schärfen. Viele schon in der Konzeption sehr unterschiedliche Versionen des Don-Quijote/Quichotte/Quixote-Stoffes nach dem Roman von Cervantes aus den Jahren ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Bis zu zweiundzwanzigtausend Zuschauer fasst die Arena di Verona, wenn man es mit den Sicherheitsvorschriften nicht so genau nimmt. Diese Besucherzahl erreicht man allerdings nur in Ausnahmefällen, mit besonders zugkräftigen Werken. Interessant ist dennoch, dass die Arena bereits dann kostendeckend arbeiten kann, wenn lediglich eine Auslastung bis zu viertausend...
Der große Aufbruch war es noch nicht. Aber das war nach zweiunddreißig am Ende nur noch quälend langen Jahren seines Vorgängers auch nicht zu erwarten. Wulf Konold, der die Ludwigsburger Festspiele seit diesem Jahr als Nachfolger des höchst widerstrebend gegangenen Wolfgang Gönnenwein leitet, beließ zunächst einmal vieles beim Alten – angesichts der kurzen...
Jan Müller-Wieland (39) reichert sein musiktheatralisches Schaffen mit einem neuen Stück an, das sich vom Genre Literaturoper abwendet. Im Auftrag des Theaters Bonn, das seine finanziell gefährdete Novitätenreihe «BonnChance» nur noch mit Hilfe des örtlichen Beethovenfests durchhalten kann, komponierte er den Einakter «Die Irre oder Nächtlicher Fischfang» nach...
