Henze: Die Bassariden

Köln

Opernwelt - Logo

Die Masse torkelt. Es baumeln die Arme, es wippen die Knie. Thebens Volk scheint verzaubert. Gott Dionysos hat es verführt. Wie ein Chor aus Bhagwan-Jüngern zieht es dahin, und Dionysos, der rachsüchtige, hinter­lis­tige Gott, trägt ein Dauergrinsen zur Schau. In Köln haben die «Bassariden» Einzug gehalten, und das erstmalig. Man hat sich für die revidierte Fassung von 1992 und damit gegen das Intermezzo «Das Urteil der Kallipe» entschieden.

Gesungen wird im englischen Original, weil das «den Umgang mit allen Zwischentönen der großartigen Textvorlage» erlaubt, so Dirigent Markus Stenz.
Er ist es auch, der über rund zwei Stunden Spieldauer die musikalischen Fäden klug zusammenhält. Mit ­genauen Einsätzen organisiert er die unterschiedlich hochpeitschenden Klangwellen, mit konzentriertem Blick wechseln seine Augen ständig zwischen Partitur, Orchester und Bühne. In der nicht immer un­pro­ble­­ma­tischen Akustik des Kölner Opernhauses geraten die Sängerstimmen nie wirklich in Gefahr, zugedeckt zu werden, und auch der Chor besitzt in den Piano- und Mezzobereichen genügend Durchschlagskraft. Stenz ist mit Henzes Musik bestens vertraut und konnte das an seine Gürzenich-Leute erfolgreich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2005
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 54
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Götzendämmerung in der Wüste

Darauf war man gespannt: wie Nigel Lowery, kaum dass «Katrina» ab­geklungen war, «seinen» Hurrikan auf Mahagonny zurasen lässt. Dass seine Arbeit an «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» bereits fortgeschritten war, als die Jahrhunderttragödie über New Orleans hereinbrach – gewiss. Dass ihm – vor lauter Schreck? – außer einer sich ängstlich zusammenrottenden und...

Die Entdeckung der barocken Azteken

Spannende Geschichte mit Happy End – das war schon immer ein beliebtes Erzählschema. Die Ausgrabung des drei­aktigen «Motezuma» von Antonio Vivaldi wurde, dank der Besitzerin der Abschrift, zu einem aufregenden Krimi. Am 11. Juli hatte das Düsseldorfer Landgericht im Eilverfahren die Aufführung verboten (siehe OW 9-10/2005). Doch die Berufungsinstanz gab dem...

Einsamer, verwirrter Ritter

Am Ende hat er alles verloren, der Ritter von der traurigen Gestalt: seine Bücher, die einen Abend lang die Bühne des Innsbrucker Landestheaters füllten, jetzt aber gen Himmel verschwinden; alle Menschen seines Lebens und damit die erträumten Figuren seiner Lektüre; schießlich sogar die Ärzte und Schwestern der psychiatrischen Klinik, als die sich seine...