Verbrannte Gefühle
Der Kalauer scheint unvermeidlich: Der Mann ärgert sich schwarz. Aber er würde, auch wenn die Aussage im Kern sogar ihr Richtiges hat, auf eine falsche Fährte führen und Eva-Maria Höckmayrs Freiburger «Otello»-Inszenierung banalisieren. Die reicht tiefer. Richtig ist, dass Otello, dem Luis Chapa mächtige tenorale Statur von hoher Durchschlagskraft verleiht, die Partie als Weißer beginnt und bis zum Mord immer schwärzer wird.
Richtig ist aber auch, dass er sich nach dem Verbrechen, nachdem er die Wahrheit erfahren hat, die Schwärze verzweifelt aus dem Gesicht reibt: Schwarz als Metapher für unheilbare Eifersucht, als Ausdruck verbrannter Gefühle. Eva-Maria Höckmayr, Trägerin des Götz-Friedrich-Opernregiepreises 2010, macht aus Boitos und Verdis Shake-
speare-Adaption einen rabenschwarzen Psychokrimi, der tief in die Seelenwelt der Akteure vordringt. Jago (mit geradezu dämonisch baritonaler Wucht: Juan Orozco), der Nihilist, der Menschenverachter, reißt von den übergroßen Wänden des kreuzförmigen, labyrinth-
artigen Gebäudes auf Nina von Essens eindrucksvoll gestalteter Bühne die weißen Tücher (der Unschuld?) und entdeckt in mannigfachen Spiegelungen nichts außer sich selbst – «La ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Alexander Dick
Dass der zweite Teil des neuen «Ring» an der Metropolitan Opera weniger enttäuschte als der (dürftig besuchte) «Rheingold»-Auftakt im letzten September, ist kaum überraschend. Die «Walküre» war durch die Bank stärker besetzt, wenngleich Deborah Voigts stimmliche Verfassung bei der Gestaltung der Titelrolle durchaus Wünsche offen ließ. Geprägt wird dieser «Ring»...
Sie schleppt sich dahin, die Wiederentdeckung des Opernkomponisten Georg Philipp Telemann. Zwar steht immer wieder eines seiner Bühnenwerke auf dem Spielplan eines deutschen Opernhauses, doch belegen diese Aufführungen meist vor allem Unentschlossenheit – zwischen den Polen hausgemachten Ensembletheaters und historisierendem Spezialistentum hat sich bislang noch...
Er hat ja schon etwas von einer Maschine, dieser Kalaf. Wie er stählern und furchtlos der grausamen Prinzessin gegenübertritt und ohne den Schatten eines Zweifels seinen Plan durchzieht, bis sie ihm gehört. Wohl deswegen wird er häufig als Machtmensch in-
szeniert. Mariusz Trelinski will es in Warschau anders machen: Ein Intellektueller ist Kalaf, sagt er, voller...
