Gänsehaut
Er hat ja schon etwas von einer Maschine, dieser Kalaf. Wie er stählern und furchtlos der grausamen Prinzessin gegenübertritt und ohne den Schatten eines Zweifels seinen Plan durchzieht, bis sie ihm gehört. Wohl deswegen wird er häufig als Machtmensch in-
szeniert. Mariusz Trelinski will es in Warschau anders machen: Ein Intellektueller ist Kalaf, sagt er, voller Empathie, ein Poet, der Rätsel lösen kann und Turandot dazu bringen möchte, ihn freiwillig, aus Liebe, anzunehmen. So weit die Theorie.
In der Praxis gibt Kamen Chanev den Kalaf dann doch wieder als Macho: viril, in einem Hemd, das lässig aus der Hose hängt, allerdings doch schon recht spannt. Engagiertes Spiel scheint er nicht für nötig zu halten, seine Bühnenpräsenz erschöpft sich größtenteils im Hin- und Herlaufen an der Rampe. Dabei verlässt er sich auf seinen – allerdings in der Tat beeindruckenden – Prachttenor, den er wie eine Monstranz vor sich herträgt. Seine Gegenspielerin Lilla Lee, schlank mit Schlangenaugen und glatten, rubinroten Haaren, ist eine Turandot aus dem Bilderbuch, ihr scharfer Sopran bleibt im Fortissimo allerdings monochrom.
Trelinski hat beide in ein Bühnenbild gestellt, das dem ...
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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Udo Badelt
Vielleicht hängt der internationale Erfolg des 1955 in Hiroshima geborenen Toshio Hosokawa mit einer Sehnsucht zusammen – der Sehnsucht der westlichen Welt, die kommerzielle Kolonialisierung Japans nach dem Zweiten Weltkrieg rückgängig zu machen und die alte japanische Kultur wieder leuchten zu lassen: ihre puristische Strenge, ihren Antirealismus, den Kosmos...
Unsinn, du siegst, und ich muss untergeh’n...» So etwa mögen ein paar Unzufriedene nach der Premiere von Strauss’ «Salome» bei den Osterfestspielen Salzburg geätzt haben. Das Zitat aus Schillers «Die Jungfrau von Orleans» kommt einem freilich auch in den Sinn, wenn man liest, dass Simon Rattle das Festival in einem Interview als «ökonomischen Unsinn» bezeichnete....
Frau Breth, «Wozzeck» war Ihre erste Opernregie in Berlin. Man kann sich nicht vorstellen, dass Sie deswegen nervös werden. Oder doch?
Stimmt, es ist mir relativ wurscht, wo ich inszeniere. Die Bedingungen müssen gut sein. Mich interessieren das Werk, der Dirigent und die Sänger. Das kann sonstwo sein.
«Wozzeck» ist ein einsames Meisterwerk. Vereinfacht das Ihre...
