Verblüffend logisch
Das Bildnis eines jungen Helden, das doch eher eine junge Heldin zeigt, fängt an zu singen. Kurz darauf wandelt die hoch gewachsene brünette Dame, die wir als Wiedergängerin des Ritters Orlando erkennen, leibhaftig über die Bühne des Théâtre du Châtelet. So denn das Zeitalter des Barock, in dem selbst Furien mittels der Magie der Musik besänftigt werden, sich auf die Kraft der Verwandlung versteht, ereignet sich in der Neuinszenierung von Händels reifer, ja, reformierter Opera seria eine nachgerade multiple Transformation.
Jeanne Desoubeaux ist die kluge wie phantasievolle Regisseurin dieser Versuchsanordnung. Mit einem zwar nicht gänzlich neuen, hier aber überaus sinnigen Kunstgriff überbrückt sie die zeitliche Distanz von 1733 bis in unsere Gegenwart; den Unwahrscheinlichkeiten des auf Ariosts «Orlando furioso» basierenden Librettos verleiht sie verblüffende Logik.
Eine tanzende Grundschulklasse (Eleven des Conservatoire Ida Rubinstein) besucht hier die Sonderausstellung zur Heldenlegende des rasenden Roland. Die Gemälde sind um installative Elemente ergänzt: So singt das Hirtenmädchen Dorinda (Giulia Semenzato mit anrührend timbriertem Sopran) ihre erste Arie inmitten eines ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Peter Krause
Die Opéra national de Paris hat kein Glück mit dem «Ring». Wagners Tetralogie wurde in Frankreichs Hauptstadt zunächst stückweise präsentiert, zudem in der falschen Reihenfolge: «Das Rheingold» kam erst 1909 zur Aufführung, nach «Walküre» (1893), «Siegfried» (1901) und «Götterdämmerung» (1908) – und zwei Jahrzehnte nach Produktionen in ungleich kleineren Städten...
Der Augenblick der Seligkeit, er währt nur wenige entrückte Minuten. Wie ein mondbeschienener Liebestraum in Ges mutet dieses Andantino non troppo lento im wiegenden 6/8-Takt an, in dem Anna Brull (als stimmlich wie darstellerisch exquisite Königin von Karthago) und Iurie Ciobanu (als glaubhaft mit sich und den Umständen ringender trojanischer Krieger) innig...
Dass die in Moskau ansässige «Nowaja Opera» mit Samuel Barbers «Vanessa» ein Werk aus einem, laut offizieller Einschätzung «unfreundlichen Land» auf ihren Spielplan setzt, ohne sich für dessen offenkundig boulevardesken Charakter zu schämen, unterstreicht erneut die radikale Entschlossenheit der Direk -tion zu einem «unkonventionellen Verhalten». Sämtliche Bühnen...
