Unter Donner und Blitz
Eduard Hanslick, der nicht nur Musikkritiker war, sondern auch ein hoch angesehener Professor für Musikgeschichte, hat für Mozarts «Idomeneo» eine schöne Formel gefunden. Hier schreibe ein «Vierundzwanzigjähriger mit dem Kunstverstand eines Fünfzigers». So ist es. Was sich allerdings mit diesem Kunstverstand für unsere Ohren verbindet und verbinden sollte, darüber gehen die Meinungen auseinander.
Für Nikolaus Harnoncourt etwa ist «Idomeneo» eine romantische Oper.
Wer so denkt, kann Rückhalt finden im monumentalen Kompendium von Carl Dahlhaus und Norbert Miller, das «Europäische Romantik in der Musik» denkbar weit fasst, nämlich von Gluck bis zum «Lohengrin». Mozart schrieb «Idomeneo» für das beste Orchester seiner Zeit: die Mannheimer Hofkapelle, deren wichtigste Mitglieder 1781 bereits mit Kurfürst Carl Theodor nach München gewechselt waren. Weil die Impulse der Mannheimer Schule, wie jüngere Forschungen (etwa von Joachim Veit) belegen, bis zu Weber und Meyerbeer reichen, ist es durchaus kein Sakrileg, den «Idomeneo» aus dem Geist der Romantik zu begreifen. Und es ist alles andere als Zufall, dass (neben maßstabsetzenden Aufnahmen von Harnoncourt und Mackerras) auch Dirigenten wie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Als sich Benjamin Britten Ende der 1960er Jahre mit der Vertonung von Thomas Manns «Tod in Venedig» zu beschäftigen begann, stellte er sich einer Herausforderung, die er sein ganzes Leben über gescheut hatte. «Ich bin so mutig, das Beste zu machen, was ich jemals geschaffen habe», äußerte sich der zu diesem Zeitpunkt schon schwerkranke Komponist – ein Mut, der sich...
Ein Sensationserfolg. Als Bruno Walter im Dezember 1920 Walter Braunfels’ Aristophanes-Oper «Die Vögel» dirigierte, ahnte niemand, dass allein die Münchner Uraufführungsproduktion innerhalb von zwei Jahren 50-mal auf dem Spielplan stehen würde. Kein Wunder, dass das Stück ganz oben auf der Liste von Musikern steht, die sich für die Wiederentdeckung und...
Frau Kirchschlager, gestern Abend haben Sie Ihre erste Carmen gesungen. Wie hat sich das auf der Bühne angefühlt?
Gut. Zum Glück! Mir ist eine Riesenlast von der Seele gefallen, weil es für mich das erste Mal war, dass ich mir eine so wichtige Rolle ohne Regisseur erarbeiten musste und auf mich allein angewiesen war. Eigentlich hatte ich mich enorm auf die...
