Unter dem Brennglas

Erstmals komplett eingespielte Lieder Erwin Schulhoffs belegen exemplarisch die stupende Vielsprachigkeit des Komponisten

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Manchmal tritt die Hauptsache erst deutlich in den Blick, wenn man sich ihr auf Nebenwegen nähert. Erwin Schulhoff, 1894 in Prag geborener Zeitgenosse Paul Dessaus, Paul Hindemiths, Carl Orffs und Erich  Wolfgang Korngolds, ist seit seiner Wiederentdeckung in den späten 1980er-Jahren vorwiegend als unorthodoxer Schöpfer origineller Konzerte, Symphonien und Kammermusik rezipiert worden. Von den Vokalwerken erlebte die 1932 in Brünn uraufgeführte Oper «Flammen» eine gewisse Renaissance.

Doch dass der Komponist, der nach seiner im letzten Moment gescheiterten Emigration in die Sowjetunion 1942 in einem bayerischen NS-Lager ums Leben kam, auch zahlreiche Lieder hinterließ, hatten nur einzelne Kenner auf dem Schirm. Zwar setzte sich bereits vor drei Jahrzehnten der Musikpublizist Gottfried Eberle dafür ein, den knapp hundert Titel umfassenden Korpus bekannt zu machen, aber erst jetzt liegt dank einer Initiative des Freiburger Pianisten und Dirigenten Klaus Simon eine repräsentative Einspielung vor. Eine Pioniertat, die in konzisen Miniaturen (darunter einigen Fragmenten) das Wesen dieses faszinierenden Klangkünstlers umreißt: seine frappierende Vielseitigkeit.

Die Ausbildung eines ...

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Opernwelt Mai 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 33
von Albrecht Thiemann

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