Foto: Ruth Walz
Unter Beschuss
Der Boden schwankt. Da entgleitet etwas. Bereits im ersten Takt von Alban Bergs «Wozzeck» enthüllt die Partitur das Innerste dieser Oper: Zwei Akkorde in den Streichern, durch ein Glissando verbunden, bringen Form und Inhalt auf den Punkt. «Er macht mir ganz schwindlich», grantelt der Hauptmann wenig später zu Wozzeck, und genau diesen schwindelerregenden Wahn suggeriert die Musik von Anfang an; er wird konstituierend für das gesamte Stück. Und schwindelig könnte auch dem Publikum im Salzburger Haus für Mozart werden, das sich William Kentridges Bilduniversum aussetzt.
Denn der visionäre Schwarzmaler und Multimedia-Magier aus Südafrika beschießt die beengte Simultan-Bühne mit Collagen, Animationen, Filmen, Installationen, den Fratzen des Kriegs und den Angstbildern der Hilflosen. Gasmasken, Ruinen. Suchscheinwerfer durchschneiden die Nacht, ein Luftschiff schwebt drohend über den Köpfen, ein Kampfflugzeug bohrt sich in den Boden einer zerstörten Landschaft. Kentridge rekurriert vor allem auf jene animierten Kohlezeichnungen, die – in sisyphushafter Arbeit geschaffen – zu seiner Trademark wurden. Die Musik des «Wozzeck» fordere das Körnige, die Unklarheit, die Verschwommenheit der ...
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Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 9
von Gerhard Persché
«Mich nanntest du noch Wolf-Siegfried, mit deinen Töchtern Nike und Daphne warst du dann schon bei den alten Griechen.» Es ist Wieland Wagners Sohn, der diese Worte an seinen Vater richtet. Launige, hintergründige Worte, die beim Festakt auf den Punkt bringen, worum es geht. Wolf-Siegfried Wagner ist 1943 geboren. Da hat sein Vater die Bühnenbilder der Kriegs- und...
Kein Zweifel: Es hebt die Stimmung, wenn ein ausverkaufter Saal über eine nagelneue Oper und den 40-jährigen Komponisten in Jubel ausbricht. Mit Mason Bates’ «The (R)evolution of Steve Jobs» ist Santa Fe ein Marketing-Coup gelungen. Wegen der großen Nachfrage wurde eine Zusatzvorstellung anberaumt; das Label Pentatone schnitt das ohne Hilfe (oder Widerstand) der...
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Die wunderbare alte Schauspielerin Maria Nicklisch geriet schier aus dem Häuschen: Heute Abend gehe sie ins Werkraumtheater, dort gebe es «Dickicht der Städte», inszeniert von dem hochbegabten Peter Stein, dem ehemaligen Assistenten von Hans Schweikart und Fritz Kortner. Der sei der Beste. Ja, «Dickicht» war überhaupt umwerfend grandios. Frech, polemisch und...
