Foto: Ruth Walz
Unter Beschuss
Der Boden schwankt. Da entgleitet etwas. Bereits im ersten Takt von Alban Bergs «Wozzeck» enthüllt die Partitur das Innerste dieser Oper: Zwei Akkorde in den Streichern, durch ein Glissando verbunden, bringen Form und Inhalt auf den Punkt. «Er macht mir ganz schwindlich», grantelt der Hauptmann wenig später zu Wozzeck, und genau diesen schwindelerregenden Wahn suggeriert die Musik von Anfang an; er wird konstituierend für das gesamte Stück. Und schwindelig könnte auch dem Publikum im Salzburger Haus für Mozart werden, das sich William Kentridges Bilduniversum aussetzt.
Denn der visionäre Schwarzmaler und Multimedia-Magier aus Südafrika beschießt die beengte Simultan-Bühne mit Collagen, Animationen, Filmen, Installationen, den Fratzen des Kriegs und den Angstbildern der Hilflosen. Gasmasken, Ruinen. Suchscheinwerfer durchschneiden die Nacht, ein Luftschiff schwebt drohend über den Köpfen, ein Kampfflugzeug bohrt sich in den Boden einer zerstörten Landschaft. Kentridge rekurriert vor allem auf jene animierten Kohlezeichnungen, die – in sisyphushafter Arbeit geschaffen – zu seiner Trademark wurden. Die Musik des «Wozzeck» fordere das Körnige, die Unklarheit, die Verschwommenheit der ...
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Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 9
von Gerhard Persché
Wer die Musiktheaterszene im Vereinigten Königreich verfolgt, weiß, dass zumindest ein Zweig der Branche kräftig austreibt: die «country house opera». Glyndebourne, das 1934 den Anfang machte, gibt bis heute den Ton an. Aber seit 1989 Garsington nachzog, haben allerhand andere Kompanien das Modell kopiert.
Dazu gehört auch die Grange Park Opera im Hampshire. Das...
Frau Rebeka, Sie haben unter anderem in Pesaro studiert. Kommt man damit automatisch zu Rossini?
Nein. Ursprünglich wollte ich niemals Rossini singen. So viele Noten! So komplizierte Verzierungen! Rossini ist trotzdem ein Schicksalskomponist für mich. Meine erste Bühnenerfahrung war in Parma ein «Barbiere di Siviglia» für Kinder. Ich wusste, dass die Accademia in...
Als gewichtige dramaturgische Instanz steht der himmlische Wetterbeauftragte Petrus an den Seebühnen-Spieltagen immer im Zentrum des Bregenzer Interesses. Ein künstlerisch und administrativ allerdings leider nicht befriedigend kontrollierbarer Faktor. So kursierte in den Stunden vor der «Carmen»-Premiere, als sich von Südwesten her drohend Wolkenberge türmten,...
