Unstillbares Begehren

Rossini: Le comte Ory
Liège | Opéra

Opernwelt - Logo

Dass Rossinis später «Comte Ory» mehr ist als eine Zweitverwertung der Noten für «Il viaggio a Reims», nämlich eine ingeniös eigenständige, sehr speziell französisch-italienische opéra-comique, hat sich herumgesprochen. Und dass es hier inhaltlich mehr zu erzählen gibt als eine Fraueneroberungsklamotte aus der Kreuzzugszeit, verspricht Denis Podalydès’ zuerst in Paris und Versailles gezeigte Inszenierung jetzt auch an der Opéra Royal de Wallonie.

Freilich ist der schlimme Graf kein Don Giovanni; seine Verkleidungslisten – erst als frommer Eremit, dann frivolerweise im Nonnenhabit – gehen schief, nicht nur weil ihm im eigenen Pagen ein Rivale und Gegenintrigant um die Gunst der schönen Comtesse Adèle gegenübersteht.

Die Menschen glauben gern, was sie am liebsten glauben möchten, und lassen sich umstandslos betrügen, am Ende aber ist der Betrüger der Betrogene und Blamierte. Doch auf derlei Spaßmechanik als Vehikel für einen tenore di grazia und hohe C’s wollte sich der als Sociétaire de la Comédie-Française geehrte Podalydès nicht verlassen. Er verlegt das Geschehen in die Entstehungszeit des Stücks – die kriegführenderweise abwesenden Männer sind mit der Eroberung Nordafrikas ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Holger Noltze

Weitere Beiträge
Impressum Februar 2019

60. Jahrgang, Nr 2
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN     0030-3690
Best.-Nr.     752319

Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de



Redaktion
Jürgen Otten, Albrecht Thiemann (V. i. S. d. P.)

Redaktionsbüro
Andrea Kaiser | redaktion@opernw...

Konventionell

Dass die wohl berühmteste Theaterliebesgeschichte nicht gut ausgeht, die gerade erst sich anbahnende Mesalliance zwischen Romeo und Julia, ist eigentlich sattsam bekannt. Doch selbst wer Shakespeares berühmtes Drama nicht kennt oder Bernsteins geniale Musical-Version und auch nicht die zahlreichen Verfilmungen, merkt in Aachen schon, wenn der Vorhang sich hebt,...

Editorial Februar 2019

Die Rolle, in der er 1952 in Bayreuth debütierte, ist winzig. Hermann Ortel fällt kaum auf, wenn sich Wagners Nürnberger Meistersinger zur «Zunftberatung» treffen. Für den damals gerade 26-jährigen Sänger indes hatten die ersten Worte des Seifensieders besondere Bedeutung: «Immer am Ort.» Theo Adam war ein weltläufiger Lokalpatriot, der seiner Geburts- und...