Ungeschminkt
Ferruccio Busonis 1925 uraufgeführter «Doktor Faust» gehört zu den großen Bekenntniswerken des Musiktheaters aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bekenntnisse sind bekanntlich von theatralisch sprödem Stoff und haben es entsprechend schwer auf der Bühne, sodass dieses faszinierend-problematische Stück, das Busoni über ein Jahrzehnt beschäftigte und dennoch unvollendet blieb, seit jeher mehr gerühmt als gespielt wird.
Umso bewundernswerter der Wagemut der rührigen Osnabrücker Musiktheatersparte, sich für diese strenge, handlungsarme, anti-illusionistische Gedankenkunst zu engagieren, die höchste Konzentration aller – der Ausführenden wie der Zuhörenden – einfordert.
Busoni geht in seinem selbst gedichteten, erzählerisch sprunghaften Text weniger von Goethe als vom spätmittelalterlichen Volksbuch aus. Hier setzt Andrea Schwalbachs Regie an. Ihr Faust ist ein Omnipotenzfantast, der einfach alles haben will: Macht, Ruhm, Ehre, Frauen – ein von «Genie» und «Vollkommenheitsgewalt» schwadronierender Biedermann, der zu keiner Tat fähig ist und deswegen mit Mephistopheles als einer Art Alter Ego den Teufelspakt eingeht. Schwalbach durchschaut auf nüchterne, realistisch geerdete ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Schon als Kind stand er auf der Bühne. Und schon als Teenager war ihm klar, dass er Sänger werden wollte. Anfangs dachte Michael Spyres, er sei Bariton. Der Wechsel ins Tenorfach zog sich über Jahre, doch er schaffte ihn fast im Alleingang. Learning by doing – das ist bis heute die Maxime des Generalisten aus Missouri geblieben, der sich in keine Schublade zwängen...
Zweieinhalb pausenlose Stunden dauert die Vorstellung von Sergej Prokofjews «Spieler» im Antwerpener Opernhaus, und auf der Bühne gibt es nur Verrückte. Die Emotionen der Spielsüchtigen von Roulettenburg kochen permanent über. Deshalb fließt das bernsteingoldene Palm Royale bei der Premierenfeier danach wohltuend durch die Kehle. Auch Aviel Cahn, der Intendant...
Der tschechische Komponist Alois Hába (1893-1973) gehört zu den oft genannten künstlerischen Experimentatoren des 20. Jahrhunderts. Sein Name ist mit der Entwicklung einer eigenwilligen Mikrotonalität, einer konsequenten Viertel- und Sechsteltonmusik verbunden. Sie eröffnete ihm, etwa zeitgleich mit Alexander Skrjabin, Arnold Schönberg und Josef Matthias Hauer,...
