Bis die Puppen tanzen

Karin Henkel erarbeitet mit «Der Spieler» an in Gent/Antwerpen ihre erste Oper, Dmitri Jurowski sucht in Prokofjews Partitur die Farben

Opernwelt - Logo

Zweieinhalb pausenlose Stunden dauert die Vorstellung von Sergej Prokofjews «Spieler» im Antwerpener Opernhaus,  und auf der Bühne gibt es nur Verrückte. Die Emotionen der Spielsüchtigen von Roulettenburg kochen permanent über. Deshalb fließt das bernsteingoldene Palm Royale bei der Premierenfeier danach wohltuend durch die Kehle. Auch Aviel Cahn, der Intendant der Flämischen Oper mit ihren assoziierten Häusern in Gent und Antwerpen, kommt im weißen Anzug eines Casinobesitzers an die Bar, aber er trinkt kein Bier, sondern behält einen kühlen Kopf.

In der übernächsten Spielzeit wird er nach zehn flämischen Jahren ans Grand Théâtre in Genf wechseln. Es hat sich herumgesprochen, dass der gebürtige Zürcher ein modernes Theater macht, dass er Experimente liebt, den Promifaktor geschickt, aber nicht oberflächlich einsetzt und sich auf eine Stadt, ihre Menschen, Schönheiten und Narben einlässt.

Diesmal erzählt Cahn von der Theaterregisseurin Karin Henkel, die er überzeugt hat, es zum ersten Mal mit der Oper zu versuchen. Vielleicht hat sie angebissen, weil Prokofjews Vorlage zum «Spieler» von Fjodor Dostojewski stammt; in Köln hat sie «Der Idiot», in Hamburg «Schuld und Sühne» auf die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Michael Struck-Schloen

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zwischen Form und Emotion

Gesagt ist gesagt – das wird durch’s irre Lachen hinterher auch nicht besser: Die Figuren, die Gluck auf die Bühne stelle, seien so erhaben, dass sie klängen, «als würden sie Marmor scheißen», behauptet Amadeus in Miloš Formans Film. Das klingt durchaus nach Mozarts flottem Mundwerk. Doch dass er dies auch wirklich so gesagt hat, möchten wir bezweifeln. Denn...

TV-Klassiktipps August 2018

alpha

12.08. – 20.15 Uhr
Klassik am Odeonsplatz 2018 mit Diana Damrau

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
ML: Macelaru

arte

01.08. – 05.00 Uhr
Nemanja Radulovic spielt Bach

Konzert des französisch-serbischen Geigers im Pariser Théâtre des Champs-Elysées

04.08. – 20.15 Uhr
Mozart: Die Zauberflöte

Live von den Salzburger Festspielen 2018
ML: Carydis, I:...

Rheinsberger Geschichten

Von der Aura Friedrichs II., den auf Schloss Rheinsberg bekanntlich die Musen küssten, zehren sie heute noch in der märkischen Kleinstadt. Deshalb ist die Versuchung groß, die Zukunft in der Vergangenheit zu suchen. Seit der Wende residieren Kammeroper und Musikakademie in dem preußischen Ensemble am Grienericksee. Knapp drei Jahrzehnte nach der Gründung sollen das...