Ungerichtetes Begehren

Zwei Neueditionen der «Salome» von Richard Strauss legen ein verändertes Rollenprofil nahe

Opernwelt - Logo

Stimmlich, figürlich und darstellerisch (man verstand jedes Wort) einfach die Erfüllung einer seit 25 Jahren an die Deutschen gestellten Forderung» – so schwärmte Richard Strauss brieflich über Maria Rajdl, nachdem er sie 1930 in Dresden als Salome erlebt hatte. Schließlich hatte er selbst einiges getan, um der Sopranistin den Auftritt in der 1905 gleichenorts uraufgeführten Oper zu ermöglichen: indem er kräftig in die eigene Partitur eingegriffen und den Orchestersatz verschlankt hatte.

Denn Rajdl war kein hochdramatischer Sopran wie bei der Uraufführung Marie Wittich, sondern ein lyrischer mit, wie ihre sonstigen Rollen ahnen lassen, durchaus Gewicht, aber leichter, wohl ziemlich jugendlich klingender Höhe – womit sie ziemlich genau Strauss’ zwischenzeitlich geändertes Ideal für die Titelrolle erfüllte.

Wie sich das Werk dabei veränderte, macht die Edition der Dresdner Retuschen im Rahmen der kritischen Richard-Strauss-Gesamtausgabe nachvollziehbar, die seit 2011 an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität erarbeitet wird. Unter dem Dach der Bayerischen Akademie der Wissenschaften hat Claudia Heine – nach der bekannten, bereits 2019 erschienenen «Salome» – dort gleich zwei ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Michael Stallknecht

Weitere Beiträge
Der Kontrollator

Es ist weder die Frauenkirche noch das Maximilianeum, nicht einmal das Dach des benachbarten Nationaltheaters. Wenn Vladimir Jurowski aus seinem Büro schaut , blickt er auf Balkone vor schicken Wohnungen. «Wahrscheinlich wohnt da gar keiner», sagt er schulterzuckend. Anlageobjekte also? Auch diese Aussicht wäre damit typisch münchnerisch.

Wie man sieht, muss sich...

Tchi tchi, boum boum

Der Argwohn war groß, die Erleichterung noch größer. Fachfremde Berühmtheiten, die Opern zu inszenieren versuchen, fallen meist auf die Nase. Nicht so Christian Lacroix, einst gefeierter Couturier, heute gefragter Kostümbildner für die Bühne. Mit Offenbachs «La vie parisienne» an der Opéra de Rouen Normandie hat der 70-Jährige seinen Regie-Einstand magna cum laude...

Nur wer die Sehnsucht kennt

Das englische Wort «longing» meint Sehnen, Sehnsucht, Verlangen; als Verb bedeutet es auch schmachten, dürsten, gelüsten. Es ist ein wandelbares, biegungsfähiges Wort; im moralischen Spannungsfeld zwischen Boccaccio und Paulus von Tarsus hält es nach beiden Seiten Ausschau. Doch vermutlich hatten Lucy Crowe und Anna Tilbrook, als sie ihrem Album dieses Motto gaben,...