Der Kontrollator

Ein Porträt des Dirigenten Vladimir Jurowski, der seit dieser Saison Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper ist

Es ist weder die Frauenkirche noch das Maximilianeum, nicht einmal das Dach des benachbarten Nationaltheaters. Wenn Vladimir Jurowski aus seinem Büro schaut , blickt er auf Balkone vor schicken Wohnungen. «Wahrscheinlich wohnt da gar keiner», sagt er schulterzuckend. Anlageobjekte also? Auch diese Aussicht wäre damit typisch münchnerisch.

Wie man sieht, muss sich der neue Generalmusikdirektor an gewisse Eigenheiten der Stadt noch gewöhnen. Was allerdings auf Gegenseitigkeit beruht.

Jurowski, der seit dieser Spielzeit mit Intendant Serge Dorny das Leitungsduo der Bayerischen Staatsoper bildet, hat die Fans in kurzer Zeit mit diversen Novitäten konfrontiert. Zum Saisonauftakt, für den man ins fränkische Ansbach reiste, gab's beim Open Air nicht die üblichen Kracher zwischen «Forza»-Ouvertüre und «Traviata»-Brindisi, sondern unter anderem Häppchen aus «Adriana Lecouvreur» sowie Benjamin Brittens Rossini-Hommage «Soirées musicales». Und beim ersten Akademiekonzert im heimischen Haus dirigierte Jurowski, gleichsam als programmatischen Kommentar zur Premiere von dessen Oper «Die Nase» (siehe OW/12), ausschließlich Schostakowitsch und erläuterte jedes der Werke höchstselbst.

Ja, der neue ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Porträt, Seite 42
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Love Island

Einen erstaunlichen Reichtum an Musiktheaterperlen zog Ludovico Ariostos Anfang des 16. Jahrhunderts in Norditalien entstandenes Versepos vom «rasenden Roland» nach sich. Man braucht dazu gar nicht alle Komponistinnen und Komponisten aufzählen, die im Barock aus Teilen der Storys um die – doch ziemlich ähnlichen – Zauberinnen Armida (Torquato Tasso: «La Gerusalemme...

Mit den Songs kamen die Tränen

Abschiede sind schwer, sie tun in der Seele weh, manchmal sind sie sogar unaushaltbar, weil man weiß: Es wird endgültig sein, auf immer. Trost spendet in solchen Fällen nicht einmal der Himmel. Es sei denn, er hängt voller Geigen. Wie im vorliegenden Fall, einem Duett, dem nur derjenige widerstehen kann, der sich sein Herz ausgerissen oder es zugemauert hat. Eine...

«Robot le diable»

Fast in Sichtweite des Hafens von Barcelona, über den eine Gondelbahn von halbem Eiffelturm-Imitat zu halbem Eiffelturm-Imitat führt, befindet sich ein schönes altes, dickwandiges Gebäude, in dem die Sociedad General de Autores y Editores (SGAE) residiert. In Zusammenarbeit von SGAE und Òpera de Butxaca i Nova Creació konnte man hier Ende Oktober Teil einer...