Ungebrochene Entdeckerfreude

Mit Massenets «Don Quichotte», Vivaldis «Dorilla in Tempe» und Rossinis «Adina» klingt David Aglers Intendanz der Wexford Festival Opera aus. Seine Nachfolgerin Rosetta Cucchi will das Raritäten-Programm neu justieren

Ich treffe Ray Corish vor dem Touristenbüro am schmuck renovierten Kai von Wexford – im Rücken das Denkmal für John Barry, den aus Wexford stammenden «Vater der amerikanischen Marine», vor uns einige Muschelfangschiffe, die im kleinen Hafen des irischen Seestädtchens mit 20 000 Einwohnern ankern. Ray, ein ehemaliger Immobilienmakler, hat viel zu erzählen über seine Stadt, die von den Wikingern gegründet wurde, später den Normannen in die Hände fiel und auch während der langen Union Irlands mit England immer wieder durch rebellische Manöver auffällig wurde.

Er zeigt mir Schauplätze, Kultstätten, Gräber, Inschriften («sorry for all these boring details») – bis wir den Stolz der Stadt erreichen: das hochaufschießende National Opera House.

Während die Hauptstadt Dublin bis heute kein eigenes Opernhaus besitzt, ist in Wexford 2008 ein moderner Bau mit zwei schönen, holzgetäfelten Sälen entstanden. Wenn man seinen Platz oder die Bar im Obergeschoss mit ihrem umwerfenden Blick über die Bucht erreichen will, läuft man ständig über schmale Stiegen, denn der Architekt Keith Williams musste das neue Haus auf das beengte Grundstück des ehemaligen Theatre Royal setzen. Regisseurin Rosetta ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Michael Struck-Schloen

Weitere Beiträge
Konvention und Anarchie

Das Verhältnis zwischen Alter und Neuer Welt ist von jeher gespannt und gespalten, zwischen Faszination und Abwehr, Verklärung und Verteufelung: eine Polarität, die sich seit Donald Trump noch dramatisch verschärft hat. «Seine» USA sind für viele vollends zum globalen Feindbild geworden. Aber selbst die Kultur ist von Schizophrenien geprägt. So dichtete Goethe:...

Impressum Dezember 2019

60. Jahrgang, Nr 12
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN     0030-3690
Best.-Nr.     752328

Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de



Redaktion
Jürgen Otten, Albrecht Thiemann (V. i. S. d. P.)

Redaktionsbüro
Andrea Kaiser | redaktion@opern...

Neue Bahnen

«Le Villi» sind rare Gäste auf der Bühne, zuletzt in Budapest im Frühjahr 2019. Die ursprüngliche, 1883 komponierte Fassung dieser ersten Oper Puccinis kannte man bisher nur aus dem Überblick in Dieter Schicklings Werkverzeichnis. Deren Titel «Le Willis» weist noch in der Verwendung des dem Italienischen fremden «W» darauf, dass es um Fantastisches aus dem nebligen...