Rätselhaft anrührend
In der Berliner Staatsoper sieht man fast nur noch belanglos-dekorative Produktionen. Im Alten Orchesterprobensaal dagegen, Ort für kleinere Projekte, schießt man oft übers Ziel hinaus: Hier wird auf eine Weise experimentiert, dass man sich vor allem mit Rätseln konfrontiert sieht, mit einem Überschuss an Absichten, die szenisch selten genügend Schlagkraft entwickeln.
Anlässlich seiner Barocktage hatte das Haus nun bei der Multimedia-Künstlerin Letizia Renzini im Zusammenhang mit der Berliner Premiere von Alessandro Scarlattis (an der koproduzierenden Opéra national de Paris bereits gezeigtem) «Il primo omicidio» eine Arbeit zu dem Komponisten in Auftrag gegeben: «Love, you son of a bitch». Tatsächlich gibt es von Scarlatti eine Kantate, in der die Liebe als Hurensohn bezeichnet wird, quasi als Prolog zu einer Klage über unerwiderte Gefühle. Das Übliche also. Und üblich ist auch, was Renzini als Thema ihres Projekts benennt: Liebe in Zeiten des Kapitalismus, des quantifizierten, um Optimierung bestrebten Selbst, der marktförmigen Erotik – Topoi, die Eva Illouz in ihren Büchern um einiges intensiver bearbeitet hat, als es einem gut einstündigen Musiktheaterprojekt möglich ist.
Betra ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Peter Uehling
Das Verhältnis zwischen Alter und Neuer Welt ist von jeher gespannt und gespalten, zwischen Faszination und Abwehr, Verklärung und Verteufelung: eine Polarität, die sich seit Donald Trump noch dramatisch verschärft hat. «Seine» USA sind für viele vollends zum globalen Feindbild geworden. Aber selbst die Kultur ist von Schizophrenien geprägt. So dichtete Goethe:...
alpha
01.12. – 21.45 Uhr
Mariss Jansons dirigiert Bruckner: Symphonie Nr. 3
Lucerne Festival, 2005
arte
01.12. – 17.40 Uhr
Lucas Debargue spielt Saint-Saëns’ «Ägyptisches» Klavierkonzert
Dresdner Philharmonie, ML: de Billy
02.12. – 05.00 Uhr
Christmas in Vienna
Wiener Konzerthaus, 2014
Wiener Sängerknaben, Wiener Singakademie, ORF Radio-Symphonieorchester Wien
ML:...
Achtung: Spoiler-Alarm. So heißt es ja neuerdings, wenn man etwas verrät, was der Leser vielleicht (noch) gar nicht wissen will. Aber Gastregisseur Vasily Barkhatov hat vorab im Programmheft preisgegeben, was seine «Tosca» von anderen unterscheidet: Der Täter ist hier auch Opfer. Und opfert sich bewusst – durch die Tat einer anderen. Verwirrt?
Denkfaulere...
