Unerwartete Wendungen
Manchmal sind Nudeln mit Tomatensauce die Lösung. Das Stück ist vorbei, aber der Abend geht im Foyer des Aalto Musiktheater Essen weiter: Ein Jazz-Trio spielt Arrangements der Oper «L’amant anonyme», Darstellerinnen und Darsteller in voller Perückenpracht schwitzen mit in der Menge, und Schaulustige beklatschen die Tänzerinnen und Tänzer auf der Treppe. Es gibt sogar den zarten Ansatz einer Publikumsdiskussion. Alles ist Teil der Inszenierung – von der Handyansage zu Beginn bis zur Gratis-Pasta mit Sekt bei softer Hintergrund -musik.
«L’amant anonyme oder Unerwartete Wendungen» ist ein Erfolg des Formats «Aalto:Start-Up». Hier wird erprobt, wie die Oper sich für möglichst unterschiedliche Menschen öffnen kann. Das Ergebnis: mehr Jüngere im Publikum, mehr Ältere auf der Bühne, mehr Erklärung, aber auch mehr Teilhabe. Die einzige Verliererin des Abends ist die Oper selbst. Und die staubt gewaltig.
Das Regieteam um Zsófia Geréb und Alvaro Schoeck vertraut diesem wenig bekannten Werk zurecht nicht. Der Komponist Joseph Bologne, genannt Chevalier de Saint-Georges, wurde bisher eher als Randnotiz der Klassik verbucht. In den USA wird er wiederentdeckt, in Europa findet er nur zögerlich ...
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Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Anna Chernomordik
Wenn sie sich dazu entschieden haben, mich zu töten, heißt das, dass wir unglaublich stark sind.» Letzte Worte, aufgenommen vor dem nicht angekündigten, aber doch erwartbaren Tod. Und es ist keine bemüht aktualisierende Regie-Idee – der tragische Fall Alexej Nawalny spukt ohnehin durch diese Aufführung. Also soll dem gerade Ermordeten per Lautsprecher-Zitat auch...
Der «Lear» machte ihn 1978 schnell berühmt. Nicht nur durch die Uraufführung an der Bayerischen Staatsoper: Es waren kleinere Häuser wie Düsseldorf, Nürnberg und Oldenburg, in denen diese Oper sofort fesselte. Nahezu haptisch greifbare Cluster, Akkordwände, die scharf kontrastieren zu äußerster melodischer Verdichtung, Einsamkeit, Innigkeit: Aribert Reimann schrieb...
Nach seinem kraftvoll-romantisierenden Doppelpack mit Tschaikowskys «Iolantha» und Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» in der Spielzeit 2015/16 kehrte Mariusz Treliński nun – im Rahmen einer Koproduktion mit dem Warschauer Teatr Wielki – als Regisseur von Verdis «La forza del destino» zurück an die Met. Und wie kaum anders zu erwarten, erzählt Treliński die Oper als...
