Kollektiver Mythos
Es war ein mutiger, gewiss auch überambitionierter, weil szenisch nicht bewältigter Abend, an dem sich Demis Volpi in Saarbrücken mit dem finstersten aller griechischen Mythen auseinandersetzte – mit Medea, die zugleich Liebende und Rächende, Opfer und Täterin ist.
Multiperspektivisch, aber unverbunden nebeneinandergestellt, konfrontiert er den revolutionär-romantischen Ton und die düstere Grandeur von Luigi Cherubinis 1797 in Paris uraufgeführter Oper «Médée» mit der hieratischen Strenge von Iannis Xenakis’ Chorstück «Medea Senecae» (1967), um das theatrale Experiment in den Monolog aus Heiner Müllers Sprechstück «Verkommenes Ufer/Medeamaterial/Landschaft mit Argonauten» (1982) auslaufen zu lassen. Und wie Müllers Textcollage will Volpis Zugriff zugleich archaisch, modern und politisch sein.
Markus Meyer stellt Créons Palast als wuchtige Bibliothek dar, deren schwarze, leergefegte Regalwände bis an die Decke reichen – ein dunkler, klaustrophober Raum, der wie ein Gefängnis wirkt, den Volpi aber kaum je atmosphärisch direkt ins Spiel einbezieht. Wenig interessiert zeigt er sich auch am gesellschaftlichen Rahmen, vor dem sich das tödliche Drama abspielt – dem schmutzigen ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Uwe Schweikert
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Man kennt das aus der Wirtschaft: Der Patriarch kann sich nicht aus seiner Führungsposition lösen, hält jeden, der Ideen für die Zukunft der Firma entwickelt, für inkompetent – und treibt damit letztlich das Familienunternehmen in den Ruin. So führt sich derzeit auch Siegfried Matthus auf, der zu DDR-Zeiten hoch geschätzte Komponist, der kurz nach der Wende die...
