Unentrinnbar

Ivonne Fuchs und Georg Gulyás finden einen eigenen Zugang zu Benjamin Brittens Werken für Stimme und Gitarre

Opernwelt - Logo

Von zart verstäubter Angst erfüllt wirken die ersten sechs der in diesem Recital versammelten Lieder. Angst vor dem Älterwerden, dem Unausweichlichen, Unwiederholbaren. Benjamin Britten schrieb diese «Songs from the Chinese» im Herbst 1957 (ein Jahr nach seinem Essay über musikalische Chinoiserien im Ballett «The Prince of Pagodas») für den Lebenspartner Peter Pears und den Gitarristen Julian Bream. Mit ihren Betrachtungen über Jugend, Schönheit und deren Verlust auch ein Nachhall auf Gustav Mahlers hochjauchzend-todbetrübtes «Lied von der Erde».

Wobei der Komponist bei der Wahl des musikalischen Werkstoffs vor allem von den spieltechnischen Möglichkeiten der Gitarre ausging und sich nie an traditioneller chinesischer (oder im Fall vom «Pagodenprinz» balinesischer Gamelan-)Musik orientieren wollte.

Die Mezzosopranistin Ivonne Fuchs und der Gitarrist Georg Gulyás schaffen die richtige Balance zwischen emotioneller Unmittelbarkeit und der für Britten typischen noblen Distanz, bringen für die abrupten Stimmungswechsel von Betriebsamkeit zu Melancholie eine reiche Palette von Zwischentönen ins Spiel. Schon «The Big Chariot», wie später vor allem auch «Melancholy», erhält durch die von ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Not macht erfinderisch

Ein Wunder, ein Wunder, ein Wunder», ruft die Menge in Richard Wagners «Lohengrin», als der Gralsritter auf dem Schwan dahergeschwommen kommt. Ein Wunder brauchte auch das Konzert Theater Bern, als man sich letztes Jahr unverhofft mit einer Panne konfrontiert sah. Seit 2014 wird der neoklassizistische Bau umfassend renoviert (Kostendach: 45 Millionen Schweizer...

Jedes Stück ein Gedicht

Unter den großen Komponisten des 19. Jahrhunderts ist Hugo Wolf der Lyriker par excellence. Bei ihm steht das Wort im Zentrum wie bei keinem seiner Vorgänger. Seine Musik dient den Dichtern – Goethe und Mörike zuallererst, aber auch Eichendorff, Paul Heyse und Emanuel Geibel. Gleiches ließe sich, über die Sprachen und Zeiten hinweg, nur noch von Francis Poulenc...

Aus der zweiten Reihe

Es sind meist die Mittelmäßigen, von denen man etwas über die Zwänge und Bedingtheiten einer Epoche erfährt, mehr jedenfalls als von den ganz großen Talenten. Solch ein Mittelmäßiger war der Komponist NICOLA ZINGARELLI – jedenfalls nach dem Höreindruck, den die Wiederaufführung seiner erfolgreichsten Oper «Giulietta e Romeo» im Salzburger Haus für Mozart...