Und was ist die Erkenntnis?
Man(n) trägt Perücke. Irgendwann im ersten Akt lässt sich auch der Kritiker von einer Mitwirkenden eine solche andienen: Modell mondäne Allongeperücke, ins Horizontale gerückt. Jetzt gehört man also dazu, zu Mahagonny, dieser seltsamen Stadt, in der man schon auf dem Vorplatz des Theaters Basel begrüßt wurde: «Willkommen in Mahagonny, willkommen daheim». Daheim?
Irgendwie schon. «Aber dieses ganze Mahagonny, ist nur, weil alles so schlecht ist ...
»: Bert Brechts und Kurt Weills Parabel auf die Gier und Niedertracht im großen Schatten des Kapitalismus von 1930 ist knapp 100 Jahre später aktueller denn je. Sind wir nicht längst alle ein bisschen arg Mahagonny geworden? Der regieführende Intendant Benedikt von Peter zeigt sich im Programmheft-Gespräch verblüfft über die erschreckende Aktualität dieser «Anti-Oper». Woraus der Gedanke erwuchs, das Publikum am Aufbau und Niedergang Mahagonnys aktiv teilhaben zu lassen. Das heißt: Die klassische Einteilung in Bühne und Zuschauerraum gibt es nicht. Alles ist Mahagonny – Theatervorplatz, Foyer, Zuschauerraum, Bühne (Bühnenbild: Katrin Wittig, Kostüme: Geraldine Arnold). Ist das nun episches Theater? Brecht hätte vor allem gewollt, dass man ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2025
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Alexander Dick
Édouard Lalos «Le Roi d’Ys» gehört gemeinsam mit Ernest Reyers «Sigurd» (1884), Emmanuel Chabriers «Gwendoline» (1886), Vincent d’Indys «Fervaal» (1897) und Ernest Chaussons «Le Roi Arthus» (1903) zu den wichtigsten, im Banne des Wagnérisme stehenden Opern des französischen Fin de Siècle. Der bretonische Sagenstoff und seine (in Lalos Bearbeitung zwischen...
Seine Masques sind Legende. Mit dieser aparten Form der Semi-Oper reüssierte Henry Purcell während der Restaurationszeit im England des 17. Jahrhunderts auch deswegen, weil die puritanische Revolution dafür gesorgt hatte, dass im Sprechtheater eine streng-restriktive Verbotskultur herrschte. Mit allegorischen Figuren und einer zauberhaften, die Sinne betörenden...
Der Grundgedanke, den Nils C. Kumkar in seinem kürzlichen erschienenen Buch «Polarisierung» formuliert, entbehrt nicht eines gewissen dialektischen Charmes. Polarisierung, so der an Bremens Universität lehrende Soziologe, sei a priori nichts Verwerfliches, sondern, ganz im Gegenteil, wesentliche Ingredienz einer funktionierenden Demokratie. Kumkar sieht...
