Editorial Opernwelt 11/25

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Der Grundgedanke, den Nils C. Kumkar in seinem kürzlichen erschienenen Buch «Polarisierung» formuliert, entbehrt nicht eines gewissen dialektischen Charmes. Polarisierung, so der an Bremens Universität lehrende Soziologe, sei a priori nichts Verwerfliches, sondern, ganz im Gegenteil, wesentliche Ingredienz einer funktionierenden Demokratie. Kumkar sieht Polarisierung, darin einem Diktum Adornos aus dessen «Negativer Dialektik» folgend («Einheit ist Spaltung»), als Magnetfeld, als eine unsichtbare Anziehungskraft, an der sich Kommunikation auszurichten vermag.

Und mögen Konflikte, in denen sich die widerstreitenden Pole gegenseitig erhitzen, die moderne Demokratie auch wie ein «Grundrauschen der enttäuschten Erwartungen» begleiten, gilt dem klugen Soziologen Polarisierung in erster Linie als ein «kommunikatives Ordnungsmuster». Dem sei nicht widersprochen. Polarisierung gehört, salopp gesagt, zum «Geschäft», wenn man den Dialog von Menschen und Kulturen als ein solches begreifen möchte, und wenn man, wie dies André Kieserling und Jürgen Kaube vor zwei Jahren in ihrer Studie «Die gespaltene Gesellschaft» taten, der Annahme Glauben schenkt, dass gerade die funktionale ...

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Opernwelt November 2025
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten

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