Und der Haifisch hat Migräne

Barrie Kosky versucht sich an Brecht/Weill. An der Komischen Oper Berlin inszeniert er «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» , am Berliner Ensemble die «Dreigroschenoper»

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Der Anfang ist witzig. Aus einem Bühnenloch klettern Fatty und Dreieinigkeitsmoses heraus auf die schwarz glänzende, leere Fläche, doch nicht als gewöhnliche Ganoven. Jens Larsen trägt den Talar eines salbadernden protestantischen Pfarrers, Ivan Turšić gibt, sehr pointiert, einen jüdischen Rabbi. In den Händen halten sie ihre Gebetsbücher, aber nicht allzu fest. Tauschen ist, obwohl der Christ erkennbar wenig mit der hebräischen Schrift anfangen kann, erlaubt.

Im sophistischen Dialog der beiden Gottesvertreter schält sich schnell die Gewissheit heraus, dass es eine gute Idee wäre, an diesem verlassenen Ort mitten in der Wüste eine Paradiesstadt zu gründen. Und als sich dann noch die lebensschlaue Leokadja Begbick (Nadine Weissmann, sehr keck, im schicken Cocktailkleid und mit High Heels) dem gläubigen Gespann zugesellt, ist die Sache beschlossen. Die Suche nach dem großen Glück kann beginnen. Fragt sich nur, wie es aussieht, dieses Glück.

Brechts/Weills «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» ist ein schwieriges, ein sperriges Stück, seine Moral nach wenigen Minuten dechiffriert. Das weiß auch Barrie Kosky, also sucht er nach einem anderen, flexibleren, die Ambivalenzen und ...

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Opernwelt November 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Jürgen Otten

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