Unbeirrbares Stilgefühl

Krassimira Stoyanova präsentiert post festum das beste Recital des Verdi-Jubiläumsjahres

Opernwelt - Logo

Im Parterre des großen Schallplattengeschäfts in Wiens Kärntnerstraße wirbt Anna Netrebko mit einem auffälligen Poster für ihr Verdi-Recital. Als wir interessehalber oben im zweiten Stock, in der Klassik-Abteilung, nach dem kürzlich erschienenen Verdi-Album von Krassimira Stoyanova fragen, ernten wir bedauerndes Schulterzucken: Es sei leider nicht vorrätig. Irgendwie scheint das nicht untypisch. Denn die Stoyanova, obwohl sängerisch der Netrebko mehr als ebenbürtig und bei Verdi zweifellos überlegen, gilt nicht als Superstar der Szene.

Singt sie an der Wiener Staatsoper oder an der Met, freut dies die Kenner, doch wird es nicht zum Event wie bei der Russin; die Stoyanova ist denn auch kein Fall für die Regenbogenpresse. Ein bisschen ­erinnert dies an Julia Varady, ebenfalls eine Primadonna assoluta ihrer Zeit, aber wie die Stoyanova zu unaufdringlich, um das Interesse der Eventmanager zu schüren. Man denkt auch – noch ein paar Jahrzehnte weiter zurück – an Leyla Gencer, die von den Schallplattenfirmen ebenfalls sträflich vernachlässigt wurde.

Aber zurück zu Stoyanova. Im Internet hat jemand die Bulgarin als «beste Verdi-Sängerin unserer Zeit» bezeichnet, und wir sind geneigt, uns ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2014
Rubrik: CD des Monats, Seite 19
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Was kommt...

Der Sensible
Nach seinem ersten «Tannhäuser» in Riga, mit fünf, weinte er drei Tage lang. Mit 24 wurde er Chefdirigent der Lettischen Nationaloper, mit 29 des Birmingham Symphony Orchestra. Jetzt, mit 35, ist er Chef der Boston Symphony. Wie macht Andris Nelsons das?

Der Widerspenstige
Der Wert seiner Werke ist durchaus anerkannt. Und tatkräftige Bemühungen, Giacomo...

Mit Lady Di in den Hades

Euripides’ und Glucks «Alceste» gegen den Strich gebürstet: Nicht die bekannte Geschichte einer den Tod überwindenden Liebe kommt auf die Bühne des Teatro Real; vielmehr erzählt der polnische Regisseur Krzysztof Warlikowski von der Flucht aus ­einer schwierigen Ehe in den Tod. Seine Alceste lebt die letzten Jahre der Lady Diana, Princess of Wales, nach. So wird...

Editorial

Wir wussten, dass Gerard Mortier nicht mehr viel Zeit bleiben würde. Dass er den Tag im Mai, an dem «Opernwelt» und der «Ring Award» in Graz sein Lebenswerk mit einem neuen Preis für Musiktheater, dem «Mortier Award», würdigen werden, womöglich nicht mehr erleben könnte. Er hatte sich sehr über die Initiative gefreut und die Statuten des Preises mitbestimmt. Nun...