Un-erhört!

Der Tenor Daniel Behle und sein exzellenter Pianist Oliver Schnyder erkunden den unbekannten Strauss

Die drei Hesse-Vertonungen unter den «Vier letzten Liedern» von Richard Strauss gehören fraglos zu seinen bedeutendsten. Umso schöner, dass 2017 ein weiteres Strauss-Lied zu Versen dieses Dichters auftauchte; der Tenor Daniel Behle hat es nun erstmals eingespielt: «Der Schmetterling» heißt das eher kurze Stück über das ebenso kurze, aber farbenreiche Leben des titelgebenden Flatterwesens, dem der Pianist Oliver Schnyder im leichtschwebenden, dabei herrlich chromatisch schillernden Klaviersatz Flügel leiht.

Bevor den Strauss-Experten unter den Lesern der Angstschweiß ausbricht: Nein, Sie haben nichts übersehen! Daniel Behle, der auch Komposition studiert hat und soeben seine erste Operette abschließt, hat es als makellose Stilkopie auf die CD gemogelt – getreu dem Eulenspiegel, den das Cover zeigt. Dass es sich dabei nicht um ein Original handelt, dürfte tatsächlich nur sehr aufmerksamen Lesern des Booklets auffallen, wo sich doch das gesamte Album unter dem Titel «Un-erhört» vor allem dem selten Gehörten, Sperrigen, auch Schrägen bei Strauss widmet. Zum Beispiel den «Gesängen des Orients» op. 77, in denen Strauss mit einer besonders hohen Tessitur seiner Hassliebe zu Tenören ...

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Opernwelt Mai 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 35
von Michael Stallknecht

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