Überschwemmt
Drei Frauen. Vieles trennt sie, die Zeit, der Ort, das Handlungsmuster. Eines aber ist verbindend. Sie alle sind auserwählt: gottgesandte, gottesnahe Gestalten. Judith, die Holofernes erschlägt, um ihr bedrohtes Volk zu retten; Jeanne d’Arc, die erst Frankreichs Truppen gegen England anführt und dann auf dem Scheiterhaufen von Rouen verglüht; schließlich die namenlose, himmlische Jungfrau. Die Oper Frankfurt ehrt sie in zwei Produktionen, deren Geist nicht unterschiedlicher sein könnte.
Àlex Ollé, Direktionsmitglied der katalanischen Künstlertruppe La Fura dels Baus, spannt im Großen Haus Honeggers dramatisches Oratorium «Jeanne d’Arc au bûcher» auf einen Text von Paul Claudel mit Debussys Poème lyrique «La damoiselle élue» nach Versen Dante Gabriel Rosettis zusammen. Letzteres fungiert als Prolog. Zartgesponnene Klangfäden deuten an, in welchen Sphären die Titelheldin lebt. Über den Wolken lehnt sie am goldenen Geländer, wehmütig zur Erde blickend, wo sie ihren (noch) lebenden Geliebten wähnt. Nur ein Begehren hat sie: Möge er zu ihr gelangen. Alfons Flores’ Bühnenbild ist dezentes Dekor, ahnungsreiches Abbild einer morganatischen Szene, die von Elizabeth Reiter (La damoiselle ...
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In Dresden, der Stadt seiner Uraufführung, kam schon 1948, kurz nach dem Krieg, ein neuer «Rosenkavalier» heraus. Die Produktion bildete die Grundlage für eine Rundfunk-Studioaufnahme, die nun unter Verwendung der Originalbänder für die verdienstvolle Reihe «Semperoper Dresden» auf CD erschienen ist.
Allerdings wurde die Premierenbesetzung in fast allen wichtigen...
Das Stück inszeniert sich eigentlich von selbst. Viele Regisseure begnügen sich damit, für Büchners frühen Naturalismus triste Bilder der Hoffnungslosigkeit zu entwerfen, ergänzt um grelle Satiren auf Militarismus, Männergeilheit und wertfrei forschende Wissenschaft. Der gemeine Soldat und Gelegenheitsarbeiter Wozzeck ist Opfer einer menschenverachtenden...
Wir stellen uns die Szene vor. Eine Party. Im Salon die Erwachsenen, angeregt über Politik, Wirtschaft, Sport und Gesellschaft disputierend. Nebenan eine bunte Rasselbande, im enthemmten Durcheinander. Mitten unter ihnen, auf Knien durchs Zimmer rutschend, ein soignierter Herr im Anzug ... Eine Fiktion. Allein, sie war Realität. Maurice Ravel liebte es, unter den...
