Auf Augenhöhe
Wer in Düsseldorf das Opernhaus besucht, zumal wenn die Sonne scheu-warm vom Himmel auf den benachbarten Hofgarten herabblinzelt, kommt um den wohl größten Sohn der Stadt kaum herum. Und so muss man auch an diesem milden Spätwintertag sogleich an Heines Gedicht «Frühling» denken, an diese lichten, leichten Verse: «Die Wälder und Felder grünen, / es trillert die Lerch’ in der Luft, / Der Frühling ist erschienen / mit Lichtern und Farben und Duft.» In etwa so ist auch die Stimmung im Haus selbst: gelöst, freundlich, zugewandt. Kein Wunder, der Generalintendant feiert seinen 65.
Geburtstag, und schon am Vormittag hat eine Delegation seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Ständchen dargebracht und ihm, nebst Blumen, Tiramisu sowie selbstgebackenem Kuchen, die seit Langem vergriffenen Schostakowitsch-Memoiren von Solomon Volkov aus dem Antiquariat besorgt und auf den liebevoll gedeckten Gabentisch gelegt.
Und dies nicht ohne Grund: Am Abend gibt es die sogenannte Förderkreis-Premiere der Neuinszenierung von Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk». Christoph Meyer mag das Stück, er mag auch die intelligent-zugespitzte Arbeit von Elisabeth Stöppler, die an der Rhein-Oper schon so ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Jürgen Otten
Seit geraumer Zeit wird in ambitionierten Opernaufführungen die Ouvertüre zum Anlass für stumme Kommentare, Hintergründe oder Rückblenden genommen. Die als Einstimmung und Vorstellung der wichtigsten musikalischen Themen gedachte Musikstrecke sieht sich umfunktioniert zur Tonspur eines Stummfilms. Man ist schon fast irritiert, wenn, wie jetzt in Wuppertal, der...
Grimmig sieht er aus, der Licht- und Feuerbringer, von Schatten umgeben, verdüstert irgendwie. Doch liest man die Verse, die der Geheimrat Goethe seinem «Prometheus» in die Seele streute, muss man sich nicht wundern. Da fürchtet jemand um den Bestand der Erde, und weil er ein aufrichtiger Geist ist, gibt der an den Kaukasus geschmiedete Menschenfreund dem obersten...
Fürwahr, der hanebüchene Plot des zu Weihnachten 1833 an der Mailänder Scala uraufgeführten Werks geht in diesem Fall nicht auf das Konto des Librettisten. Im Gegenteil, Felice Romani tat alles, um die Knoten der schauerromantischen Tragödienvorlage Victor Hugos zu entwirren. So wird die in Venedig und Ferrara angesiedelte Handlung überhaupt erst nachvollziehbar:...
