Über alle Ufer
Bei Betrachtung der Vorab-Fotos hatte man noch gebangt. Santa Cecilia als kettenrauchendes, männerverschlingendes Biest? In einem Kleid, das aussah wie ein Opernzitat, eng geschnitten und mit folkloristischen Applikationen? Doch eine Carmen wird die Bartoli uns und sich wohl auf ewig ersparen – in Sevilla, so das Motto ihrer diesjährigen Pfingstfestspiele, sind schließlich eine Handvoll andere Stücke verortet. Was sie sich (vokal) zumuten darf, was nicht oder was mit Regiekniffen erkauft werden kann, das weiß die Römerin seit Beginn ihrer 35-jährigen Bühnenkarriere sehr genau.
Grenzgänge gab es in Salzburg folglich nur selten – mit der Norma, besonders mit der tauridischen Iphigenie. Meist jedoch lässt sich Cecilia Bartoli in ihre Händel- und Rossini-Wohlfühlzonen zurückfallen, am allerweitesten in diesem Jahr: Mit der Rosina debütierte sie 1987 auf der Opernbühne, die späte Rückkehr zu «Il barbiere di Siviglia» verlangt daher nach einem szenischen Kompromiss. Die Idee ist gut abgehangen, das Programmheft tritt daher mit Bildern aus Woody Allens «Purple Rose of Cairo» die Flucht nach vorn an. Eine Diva, Star in Cleopatra-, Piraten- und Jeanne d’Arc-Filmen, befreit sich von der ...
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Opernwelt 7 2022
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Markus Thiel
Es war die Renaissance des romantischen und des klassischen Belcanto-Repertoires, die seit Beginn der 1960er-Jahre zur Nachfrage nach wendigen Mezzo- und Altstimmen führte – insbesondere für etliche der zentralen Partien von Gioachino Rossini, dessen Opern in den sechs, sieben Jahrzehnten zuvor Opfer der Tradition, also der «Schlamperei» (Gustav Mahler), geworden...
Zwei zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstandene italienische Opern mit russischen Sujets sind beim Maggio Musicale Fiorentino herausgekommen und auf DVD veröffentlicht worden. Nach Franco Alfanos «Risurrezione» von 1904 (OW 8/2021) nun also Umberto Giordanos «Siberia», die bei der Premiere an der Mailänder Scala wenige Monate zuvor einen sensationellen Erfolg...
Die Oper hält, was der Titel verspricht. «Lieder von Vertreibung und Nimmerwiederkehr». Damit beginnt die Münchner Musiktheaterbiennale, Bernhard Gander hat die Musik dafür geschrieben, Serhij Zhadan, geboren im gerade vom Krieg verwüsteten Luhansk, den Text. Natürlich entstand das Werk weit vor dem Beginn von Putins Irrsinn, aber was einem nun mit harschen,...
