Über alle Ufer
Bei Betrachtung der Vorab-Fotos hatte man noch gebangt. Santa Cecilia als kettenrauchendes, männerverschlingendes Biest? In einem Kleid, das aussah wie ein Opernzitat, eng geschnitten und mit folkloristischen Applikationen? Doch eine Carmen wird die Bartoli uns und sich wohl auf ewig ersparen – in Sevilla, so das Motto ihrer diesjährigen Pfingstfestspiele, sind schließlich eine Handvoll andere Stücke verortet. Was sie sich (vokal) zumuten darf, was nicht oder was mit Regiekniffen erkauft werden kann, das weiß die Römerin seit Beginn ihrer 35-jährigen Bühnenkarriere sehr genau.
Grenzgänge gab es in Salzburg folglich nur selten – mit der Norma, besonders mit der tauridischen Iphigenie. Meist jedoch lässt sich Cecilia Bartoli in ihre Händel- und Rossini-Wohlfühlzonen zurückfallen, am allerweitesten in diesem Jahr: Mit der Rosina debütierte sie 1987 auf der Opernbühne, die späte Rückkehr zu «Il barbiere di Siviglia» verlangt daher nach einem szenischen Kompromiss. Die Idee ist gut abgehangen, das Programmheft tritt daher mit Bildern aus Woody Allens «Purple Rose of Cairo» die Flucht nach vorn an. Eine Diva, Star in Cleopatra-, Piraten- und Jeanne d’Arc-Filmen, befreit sich von der ...
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Opernwelt 7 2022
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Markus Thiel
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Am 3. April 2022.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
In Mariupol.
Ihr Geheimrezept fürs Überleben während der Proben?
Gute Vorbereitung und Kaffee.
Welche Oper halten Sie für überschätzt?
«Frau ohne Schatten».
Welche Oper halten Sie für unterschätzt?
«Frau ohne Schatten».
Woran arbeiten Sie gerade?
«Frau ohne...
Der Teufel kommt von links, durch eine hässliche weiße Theatertür. Nennt sich «The Red One», und das nicht ganz ohne Grund. Hose, Hemd, Haare, alles rot. Knallrot, um präzise zu sein. Nur der Bart ist echt an dem Schauspieler Odin Lund Biron. Der Rest – Show. Kein Wunder, dass diese Mischung, sagen wir, aus Mephisto, Eulenspiegel und John Savage (der den Hippie...
Manchmal scheint das Problem zeitgenössischen Musiktheaters darin zu liegen, dass entweder zu viel, zu wenig oder – wie häufig – im Grunde gar nichts erzählt wird. Diese Problematik tritt im Zeichen von Christian Josts «Egmont» in der Deutschen Erstaufführung (2020 bestellt und uraufgeführt vom Theater an der Wien) in Bielefeld vollkommen in den Hintergrund. Jost...
