Über alle Ufer
Bei Betrachtung der Vorab-Fotos hatte man noch gebangt. Santa Cecilia als kettenrauchendes, männerverschlingendes Biest? In einem Kleid, das aussah wie ein Opernzitat, eng geschnitten und mit folkloristischen Applikationen? Doch eine Carmen wird die Bartoli uns und sich wohl auf ewig ersparen – in Sevilla, so das Motto ihrer diesjährigen Pfingstfestspiele, sind schließlich eine Handvoll andere Stücke verortet. Was sie sich (vokal) zumuten darf, was nicht oder was mit Regiekniffen erkauft werden kann, das weiß die Römerin seit Beginn ihrer 35-jährigen Bühnenkarriere sehr genau.
Grenzgänge gab es in Salzburg folglich nur selten – mit der Norma, besonders mit der tauridischen Iphigenie. Meist jedoch lässt sich Cecilia Bartoli in ihre Händel- und Rossini-Wohlfühlzonen zurückfallen, am allerweitesten in diesem Jahr: Mit der Rosina debütierte sie 1987 auf der Opernbühne, die späte Rückkehr zu «Il barbiere di Siviglia» verlangt daher nach einem szenischen Kompromiss. Die Idee ist gut abgehangen, das Programmheft tritt daher mit Bildern aus Woody Allens «Purple Rose of Cairo» die Flucht nach vorn an. Eine Diva, Star in Cleopatra-, Piraten- und Jeanne d’Arc-Filmen, befreit sich von der ...
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Opernwelt 7 2022
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Markus Thiel
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