Über alle Ufer
Bei Betrachtung der Vorab-Fotos hatte man noch gebangt. Santa Cecilia als kettenrauchendes, männerverschlingendes Biest? In einem Kleid, das aussah wie ein Opernzitat, eng geschnitten und mit folkloristischen Applikationen? Doch eine Carmen wird die Bartoli uns und sich wohl auf ewig ersparen – in Sevilla, so das Motto ihrer diesjährigen Pfingstfestspiele, sind schließlich eine Handvoll andere Stücke verortet. Was sie sich (vokal) zumuten darf, was nicht oder was mit Regiekniffen erkauft werden kann, das weiß die Römerin seit Beginn ihrer 35-jährigen Bühnenkarriere sehr genau.
Grenzgänge gab es in Salzburg folglich nur selten – mit der Norma, besonders mit der tauridischen Iphigenie. Meist jedoch lässt sich Cecilia Bartoli in ihre Händel- und Rossini-Wohlfühlzonen zurückfallen, am allerweitesten in diesem Jahr: Mit der Rosina debütierte sie 1987 auf der Opernbühne, die späte Rückkehr zu «Il barbiere di Siviglia» verlangt daher nach einem szenischen Kompromiss. Die Idee ist gut abgehangen, das Programmheft tritt daher mit Bildern aus Woody Allens «Purple Rose of Cairo» die Flucht nach vorn an. Eine Diva, Star in Cleopatra-, Piraten- und Jeanne d’Arc-Filmen, befreit sich von der ...
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Opernwelt 7 2022
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Markus Thiel
Das französische Wort «traversée» besitzt im Deutschen verschiedene Bedeutungen. Gemeint sein kann damit sowohl das Überqueren eine Brücke, das Durchschwimmen eines Flusses, aber auch ein Flug übers Gebirg’ hinweg. Für Patricia Petibon und Andrea Marcon bedeutet es, wie der italienische Dirigent in einem kleinen Beitrag für das Booklet des Albums «La Traversée»...
Wandelbar
Studiert hat er Soziologie. Doch schon bald wandte sich Heiner Goebbels den klingenden Künsten zu und schuf einige Bühnenwerke, die noch heute nachhallen, darunter «Landschaft mit entfernten Verwandten» und «Eislermaterial». Ein Gespräch zum 70.
Wunderbar
Es könnte sein, dass Aile Asszonyi die Brünnhilde der Zukunft ist. Zumindest lassen dies ihre...
Am Anfang die Dunkelheit. Und ein Klang, der raunend durch den Saal kreist und von dem man zunächst nicht weiß, woher er stammt. Man spürt nur, dass damit eine Atmosphäre der unheilvollen Ahnung heraufbeschworen wird. Wer den Roman «De Bekeerlinge» (zu deutsch: «Die Fremde») von Stefan Hertmans gelesen hat, der Krystian Lada als Grundlage für sein Libretto diente,...
