Merkwürdig
Der Skandal war unüberhörbar, damals, vor neun Jahren. Dmitri Tcherniakovs Inszenierung von Glinkas «Ruslan und Ljudmila» am Bolschoi Theater führte im Saal zu tumultartigen Szenen. Fast in jeder Vorstellung gab es lautstarke Zwischenrufe; man warf dem russischen Regisseur vor, das Werk in abscheulicher Weise verunstaltet zu haben. Kurzum: Das Volk im Parkett und auf den Rängen schäumte.
Derselbe Ort, derselbe Regisseur, ein anderes Stück – und eine andere Reaktion: Tcherniakovs Lesart von Rimsky-Korsakows «Sadko» stieß beim Moskauer Publikum auf ungeteilte Zustimmung.
Der Titelheld dieser Oper, deren Libretto der Komponist selbst nach Motiven mittelalterlicher russischer Heldenlieder verfasste, ist eine Art russischer Orpheus, der mit seinem Gesang und seinem Instrument, einer griffbrettlosen Kastenzither (Gusli), Wolchowa, die schöne Tochter des Meereszaren, verzaubert. Vor den Augen der Nowgoroder Bürger zieht er mit ihrer Hilfe einen Fisch mit goldenen Schuppen aus dem Wasser und begibt sich danach auf eine Schifffahrt über die Meere. Der Zar holt ihn in sein maritimes Reich zurück und will ihn mit Wolchowa verheiraten, doch ein weiser Alter – es ist der Heilige Nikolaus – ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Alexei Parin
Phänomenal! In Genf singt sich John Osborn als Raoul in «Les Huguenots» in die schmale Riege herausragender Meyerbeer-Tenöre – der Vergleich mit dem vor drei Jahren verstorbenen Nicolai Gedda ist nicht zu hoch gegriffen. Schon in der ersten Romanze gibt Osborn dem Affen Zucker und findet gleichzeitig himmlische Piani mit feinster Messa di voce. Über drei Stunden...
61. Jahrgang, Nr 4
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Best.-Nr. 752332
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Smetana, ein «großer Komponist»? Als 21. Name hat der Außenseiter aus Litomyšl seinen Platz gefunden in der vor 39 Jahren begründeten Reihe des Laaber-Verlags. Für den im Dezember 2018 verstorbenen Hans-Klaus Jungheinrich war der Schöpfer der «Moldau» sehr wohl ein «großer Komponist». In zehn Kapiteln deutet er an, wie viel in der tschechischen Musik des 19....
