Tschechischer Orpheus
Im Jahr 2012 wurde in Dresden ein Märchenschatz gehoben: Jaromir Weinbergers «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» (siehe OW 5/2012). In dieser Oper folgt der Titelheld dem Räuber Babinsky in die weite Welt hinaus, entflammt eine Eisprinzessin, macht dem Teufel das Leben zur Hölle und kehrt dann zurück ins traute böhmische Heim, zu seiner Dorotka. 1927 machte dieser lachende Vagabund seinen 31-jährigen Erfinder schlagartig berühmt. Vor allem in Deutschland wurde das Stück zum Renner: In der Saison 1929/30 rangierte es in der Aufführungsstatistik vor «Carmen» und der «Zauberflöte».
Dann kamen die Nazis, der Jude Weinberger floh in die USA. In der Neuen Welt fand er keinen Anschluss, in Europa wurde er vergessen. 1967 nahm er sich das Leben.
In tschechischer Originalversion inszenierte Axel Köhler «Svanda dudák» an der Semperoper, hier entstand der bühnengeräuschreiche Mitschnitt des MDR, der jetzt für jedermann eine Wiederbegegnung mit dem unterhaltsamen Wunderwerk ermöglicht – auch dank des ausführlichen Booklets. Virtuos gemacht und bunt schillernd ist diese eklektische Partitur, eine «Schlageroper mit Geschmack», wie die zeitgenössische Kritik lobte, bei der sich Fuge und Polka ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Frederik Hanssen
Als Thriller im Kammerspiel-Format zeigt der Regisseur Tobias Kratzer am Luzerner Theater Bizets «Carmen». Seine Inszenierung beginnt da, wo der dritte Akt der Oper endet: Carmen hat Don José verlassen und ist zum Torero Escamillo gezogen. Der Bühne von Rainer Sellmaier zeigt ein Zimmer in Escamillos Wohnung in einem unwirtlichen Betonbau. Über dem Flachbildschirm...
Wer Schostakowitsch vor allem als politischen Komponisten kennt, kann kaum glauben, dass er auch eine Operette komponiert hat. Doch «Moskau, Tscherjomuschki» entlarvt, bei allem Humor, die sowjetischen Realitäten nicht weniger als Schostakowitschs Symphonien. Das Stück entstand in der kurzen Tauwetterperiode nach der von Chruschtschow eingeleiteten...
Es war eine anmutige, traditionelle «Werther»-Deutung, die der französische Schauspieler und Regisseur Paul-Émile Deiber 1971 an der Met für seine spätere Frau Christa Ludwig und für Franco Corelli in der Titelpartie in Szene gesetzt hatte. Richard Eyres Neuinszenierung von Massenets Vierakter könnte man neokonservativ nennen: Visuell angereichert mit Naturmotiven...
