Kratzers Krimi
Als Thriller im Kammerspiel-Format zeigt der Regisseur Tobias Kratzer am Luzerner Theater Bizets «Carmen». Seine Inszenierung beginnt da, wo der dritte Akt der Oper endet: Carmen hat Don José verlassen und ist zum Torero Escamillo gezogen. Der Bühne von Rainer Sellmaier zeigt ein Zimmer in Escamillos Wohnung in einem unwirtlichen Betonbau. Über dem Flachbildschirm hängt als Trophäe ein beeindruckender Stierkopf, an der Wand gegenüber das Torerokostüm, noch im Plastiksack der Reinigungsanstalt. Während das Paar im Bad turtelt, dringt José in das Appartement ein.
Damit beginnt ein von Rückblenden unterbrochener, mit vielen Pointen gespickter, spannender Krimi. José, halb wahnsinnig, ist zum Äußersten entschlossen. Zunächst muss er sich allerdings hinter dem Sofa verstecken, denn eine Schulklasse bringt ihrem Arenen-Idol ein Ständchen («Avec la garde montante»). Dann überwältigt er die Ex-Geliebte, quält sie, zwingt sie, mit rotem Rüschenkleid und schwarzer Perücke als Cliché-«Carmen» verkleidet, für ihn zu tanzen. Irgendwann schläft er ein, doch Carmen nutzt die Chance zur Flucht nicht – ihre Gefühle für ihn sind wieder erwacht. Das ist verständlich, denn der egomane Escamillo ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Alfred Ziltener
Es war der Abend des Orchesters. Kaum je hat man die Philharmoniker der Hansestadt in einer derart bestechenden Verfassung gehört. Diese fein abschattierten dynamischen Nuancen, diese lebendige Artikulation, diese plastisch ausgeformten Spannungsbögen, diese in jedem Moment überzeugenden Tempi von einem oft atemraubenden, dabei mit äußerster Präzision ausgeführten...
Mitte der achtziger Jahre. Carl Dahlhaus, der Berliner Ordinarius für Musikwissenschaft, war schon sehr krank, und seine Vorlesungen mussten immer wieder ausfallen. Da sprang ein nicht mehr ganz junger, aber dynamisch wirkender Mann ein, von dem wir Studenten wussten, dass er eigentlich Dirigent war, aus der DDR kam und seit Kurzem in Wuppertal als GMD wirkte....
Der Ungar Jenö Hubay (1858-1937) ist heute nur noch Geigern durch seine virtuosen Violinkompositionen ein Begriff. Braunschweig hat jetzt seine 1923 in Budapest uraufgeführte, zuletzt 1936 in Wien und Chemnitz gespielte Oper «Anna Karenina» ausgegraben. Hubays Librettisten Alexander Góth und Andor Gabór (der später als kommunistischer Schriftsteller in der Weimarer...
