Tschaikowsky: Pique Dame

Helsinki

Opernwelt - Logo

Eine Gruppe Touristen huscht an den Männern in grellem Orange vorbei. Von wegen Sonntagsspaziergang, hier wird gearbeitet! Kräne zerlegen die Standbilder vergangener Epochen, was früher war, interessiert heute keinen mehr, weg damit, nur das Neue zählt. So läuft das in Putins Russland. Sagt Regisseur Vilppu Kiljunen. Die Neureichen wickeln ihre Immobiliengeschäfte ab und hören nebenbei von der Gräfin, die mit drei Karten beim «Jeu de la Reine» gewann. Letzteres verschweigen die Übertitel, sie hat gewonnen, basta, wann und wo spielt keine Rolle. Also die Neureichen.

Die tragen in Helsinki Nadelstreifen oder Jeans von der Stange (müsste das nicht eigentlich Prada, Gucci oder Escada sein?), rauchen Joints, singen Karaoke, greifen ins Keyboard, langweilen sich auf sado-masochistischen Partys, schreiben E-Mails und spielen Karten unter einer monströsen Matrix-Medienmaschine, an deren schwarzen Tentakeln Bildschirme wuchern, über die Katastrophenfilme, Nachrichten, Talkshows, Börsenkurse, Soaps flimmern.
Jetzt haben wir aber wirklich eine Menge gelernt! Fassen wir zusammen: Erstens: Auch heute gibt es noch Verzweifelte, Scheiternde, Spielsüchtige, unglücklich Liebende (darauf wären wir ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2005
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 49
von Jochen Breiholz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Polonaise am Abgrund

Ein gutes Jahr noch, dann gehen die ­alten Lotsen von Bord. Zum Ende der Spielzeit 2005/06 werden Sir Peter Jonas und Zubin Mehta Münchens Musik­the­ater-Flaggschiff an Christoph Albrecht und Kent Nagano übergeben. Was den designierten Generalmusikdirektor betrifft, scheint die Vorfreude schon jetzt hohe Wellen zu schlagen. Zwar war Bayerns Kapitale zu Naganos...

Proben ist eine Kunst für sich

Etwas linkisch steht der junge Mann vor den zumeist älteren Herren, die ihn stumm und kühl anblicken. Es wäre übertrieben, würde man behaupten: Sie mauern. Aber skeptisch sind sie schon. Er redet viel und keineswegs auf den Punkt. Seine Witze, die auflockern wollen, verpuffen, weil ihre Pointen nicht sitzen. Nein, Carlos Kleiber hatte es nicht leicht, als er 1970...

Erkannte Wahrheit

Im Gegensatz zu «Pelléas et Mélisande», dessen Lib­retto eine von Debussy gekürzte Version von Maeterlincks Schauspiel darstellt, hat Maeterlinck «Ariane et Barbe-Bleue» als «Conte en trois actes» von vornherein als Opernlibretto konzipiert (und an Grieg als Kompo­nis­ten gedacht). Beide Stücke ähneln einander mit ihrem Parlando der Singstimmen, das aus Rhythmus...