Trinkhalle und Kurtheater
Manches kleinere sommerliche Musikfest hängt im Wesentlichen an einer einzigen Person. So die splendide Initiative des kürzlich verstorbenen Dirigenten Enoch zu Guttenberg, der sich im auratischen Kunst-Ort Herrenchiemsee gleichsam als musikalischer Wiedergänger Ludwigs II. zelebrierte; ähnlich autoritativ Gustav Kuhn im eigens für ihn erbauten Festspielhaus im tirolerischen Erl.
In Bad Wildbad trägt Jochen Schönleber die alleinige organisatorische und künstlerische Verantwortung für eine Unternehmung, die man durchaus als eine programmatische Konkurrenz von Bayreuth apostrophieren könnte: Dort gilt es monothematisch dem Schaffen Wagners, im Schwarzwald dem noch viel umfangreicheren Opernwerk von Gioacchino Rossini. Während Wagner als musiktheatralischer Präzeptor der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bezeichnet werden darf, ist Rossini dasselbe für dessen erste Hälfte. Der gewaltige Block seines Œuvres evozierte das Paradox, dass nur das wenigste davon im internationalen Repertoire regelmäßig umgewälzt wird, aber auch kaum eines der rund 40 Werke völlig vergessen ist. Da sie, ungeachtet einiger Schablonenhaftigkeit, durchweg auch von attraktiven Sujets getragen werden, lohnt ...
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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Magazin, Seite 96
von Hans-Klaus Jungheinrich
Plácido Domingo ist ein gläubiger Mensch, vor jedem Auftritt betet er zur Heiligen Cäcilia, Schutzpatronin der Musik. Bisher hat sich das gut bewährt, und so war es auch an jenem Tag Ende Juli, an dem Domingo – zuletzt 2000 als Siegmund zu Gast in Bayreuth – erneut bei den Wagner-Festspielen debütiert, diesmal als Dirigent der «Walküre».
Die Anzahl der Sänger,...
Es ist schon merkwürdig, dass die größten Wachstumsraten im Bereich der britischen Opernszene auf dem Lande zu verzeichnen sind. Jeden Sommer scheinen abseits der Städte neue Festivals aus dem Boden zu schießen und sich die bereits bestehenden zu vergrößern – ob sie nun alljährlich die Spielzeit verlängern oder das Programm immer ambitionierter aufziehen.
Jüngste...
Der sogenannte Dekabristenaufstand im Jahr 1825 ist noch heute ein wichtiges Symbol russischer Freiheitsliebe. Gleichwohl wurde die tragische Geschichte bisher nur einmal vertont: Juri Schaporins Oper «Die Dekabristen» erlebte, von systemtreuen Historikern strengstens «überwacht», 1953 ihre Premiere – als Hurra-Parade über die verhängnisvoll-folgenreichen...
