Zwischenruf

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Sagen wir es spornstreichs, unverblümt und rundheraus: Seitdem die #MeToo-Debatte Fahrt aufgenommen hat, sieht es in der besten aller Welten für uns nicht mehr gut aus. Für uns: die «Herren der Schöpfung». Vor Urzeiten heldisch verehrt, sieht sich die Gattung Mann inzwischen in toto destabilisiert, domestiziert, desillusioniert. Besonders schlimm ist es abends, in der Oper. Oben, auf der Bühne, knabbern sie wie wild aneinander herum, aber wehe, einer von uns käme auf die Idee, das selbst auch mal zu probieren, beim Pausensekt oder so, also im wahren Leben.

Kannst du vergessen, gibt stante pede eine Anklage wegen sexueller Belästigung. Oder gleich richtige Haue. Nicht mal gucken ist mehr erlaubt. Könnte ja zu tief reichen, der Blick.

Es ist wirklich zum Haareausreißen. Aber blanke Tatsache: Männer sind nurmehr Schlemihl’sche Schatten ihrer selbst. Erotische Wracks. Eckensteher. Schuld daran ist natürlich Adelbert von Chamisso. Aber nicht wegen der Schlemihl-Story. Sondern wegen seines Gedichtes «Frauenliebe und –leben». Erstaunlich genug, dass Carl Loewe und Robert Schumann diesen Käse auch noch vertont haben. Egal. Jedenfalls wäre es besser gewesen, der Dichter hätte geschwiegen. ...

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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Magazin, Seite 95
von Jürgen Otten

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