Zwischenruf
Sagen wir es spornstreichs, unverblümt und rundheraus: Seitdem die #MeToo-Debatte Fahrt aufgenommen hat, sieht es in der besten aller Welten für uns nicht mehr gut aus. Für uns: die «Herren der Schöpfung». Vor Urzeiten heldisch verehrt, sieht sich die Gattung Mann inzwischen in toto destabilisiert, domestiziert, desillusioniert. Besonders schlimm ist es abends, in der Oper. Oben, auf der Bühne, knabbern sie wie wild aneinander herum, aber wehe, einer von uns käme auf die Idee, das selbst auch mal zu probieren, beim Pausensekt oder so, also im wahren Leben.
Kannst du vergessen, gibt stante pede eine Anklage wegen sexueller Belästigung. Oder gleich richtige Haue. Nicht mal gucken ist mehr erlaubt. Könnte ja zu tief reichen, der Blick.
Es ist wirklich zum Haareausreißen. Aber blanke Tatsache: Männer sind nurmehr Schlemihl’sche Schatten ihrer selbst. Erotische Wracks. Eckensteher. Schuld daran ist natürlich Adelbert von Chamisso. Aber nicht wegen der Schlemihl-Story. Sondern wegen seines Gedichtes «Frauenliebe und –leben». Erstaunlich genug, dass Carl Loewe und Robert Schumann diesen Käse auch noch vertont haben. Egal. Jedenfalls wäre es besser gewesen, der Dichter hätte geschwiegen. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Magazin, Seite 95
von Jürgen Otten
Der Mann mit der hohen Stirn, der wie bestellt und nicht abgeholt vor einem leeren Geschäftsportal sitzt, an einem Sonntagmorgen in einer menschenleeren Straße (vielleicht im New Yorker Greenwich Village) – ja, irgendwie könnte es auch Hanns Eisler sein. Freilich, Edward Hoppers Gemälde «Sunday» entstand bereits 1926, zwölf Jahre vor Eislers Ankunft in New York....
Um halb zehn kommen die Jagdflieger. Zeit für den Mörike-Moment: «Über das Haupt stürzt dir krachend das Himmelsgewölb’». Minutenlang ist das große Festspielhaus zu Salzburg erfüllt vom Dröhnen der Maschinen, vom Geräusch einschlagender Bomben, von undefinierbarem Geschrei. Es ist das pure Grauen des Kriegs, das sich hier, in elektronisch verstärkten Tönen und...
Es ist allemal löblich, wenn Opernfestivals wie jenes in Heidenheim an der Brenz das frühe Schaffen Giuseppe Verdis systematisch durchforsten. In diesem Jahr ergab sich gar die reizvolle Kombination von «Nabucco» (1842) und «I Lombardi alla prima crociata» (1843). Vor dem Hintergrund des Risorgimento, dem Streben nach nationaler Einheit und Unabhängigkeit Italiens,...
