Tribunal, Groteske, Innenschau

Andrea Schwalbach, Lydia Steier und Immo Karaman erkunden neue Wege zu Benjamin Britten

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Auch im Jahr nach seinem 100. Geburtstag steht Benjamin Britten weltweit auf den Spielplänen der Opernhäuser – was einmal mehr unterstreicht, dass es ihm als vorerst letztem Komponisten gelungen ist, mit seinem Schaffen im Repertoirebetrieb allgegenwärtig zu sein. Das liegt nicht nur an der musikdramatischen Stringenz der Werke, sondern auch an ihren verstörenden, den dunklen Seiten des Menschseins zugewandten und gerade dadurch aufrüttelnden Sujets.

«Es sind», so Leonard Bernstein, «Getriebe, die knirschen, die sich reiben, nicht bloß ineinandergreifen, und sie bereiten uns großen Schmerz.» Das haben Aufführungen von «The Rape of Lucretia», «Billy Budd» (siehe OW 7/2014) oder «Death in Venice» jüngst eindrucksvoll bewiesen, und selbst eine scheinbar harmlose Komödie wie «Albert Herring» besitzt, wie Verdis «Falstaff», ihre Widerhaken.

«The Rape of Lucretia» in Bielefeld

Brittens erste Kammeroper «The Rape of Lucretia» entstand binnen Jahresfrist nach dem Sensationserfolg von «Peter Grimes» bei der Londoner Uraufführung 1945. Statt eines naturalistischen Dramas werden wir hier zu Zeugen eines distanzierten Geschehens, das Elemente des epischen Theaters benutzt und durch die ...

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Opernwelt August 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Uwe Schweikert

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Das Strauss-Jahr 2014 beschert der «Frau ohne Schatten» einen regelrechten Boom. Auch kleinere Häuser trauen sich an das komplexe Werk, das eine fähige Besetzung und ein gut disponiertes großes Orchester braucht.

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