Kopfgeburt im Atelier
Die Nürnberger Inszenierung von Meyerbeers «Hugenotten»– die erste seit fast 25 Jahren in Deutschland! – hätte ein Ereignis werden können wie die spektakuläre Wiederentdeckung des «Vasco de Gama»im letzten Jahr in Chemnitz (siehe OW 3/2013) und die Krönung von Peter Theilers langjährigem Engagement für die französische Grand opéra. Aber leider hat den Nürnberger Intendanten dann doch der Mut verlassen.
Auf das Notenmaterial der neuen Meyerbeer-Ausgabe hat man, angeblich aus Kostengründen, verzichtet und den Fünfakter überdies zur Vermeidung von Orchester-Doppeldiensten – bei Meyerbeers Intimfeind Wagner eine Selbstverständlichkeit – drastisch gekürzt. Dabei sind die epischen Umwege, die retardierenden Momente wie stilistischen Brüche von Meyerbeers Dramaturgie ganz entscheidend für die Wirkung dieser Oper, die am Beispiel des Massenmords der «Bartholomäus-Nacht» zeigt, wie der Einzelne von der Geschichte ergriffen und zermalmt wird.
Das hätte trotz aller philologischen Abstriche noch immer eine spannende Aufführung werden können. Aber der Regisseur Tobias Kratzer und sein Ausstatter Rainer Sellmaier interessierten sich weniger für das noch heute brandaktuelle Ideendrama vom ...
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Opernwelt August 2014
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Uwe Schweikert
Die Wiederentdeckung des Opernschaffens von Walter Braunfels hat mit der begeisternden Inszenierung seines Hauptwerks «Die Vögel» in Osnabrück gegenüber den vorausgegangenen Stationen seit der posthumen Uraufführung seiner «Jeanne d’Arc» in Berlin (siehe OW 8/2008) einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Regisseurin Yona Kim und der junge Osnabrücker GMD Andreas Hotz...
Festivals gibt es überall. Aber dass das Wachstum der Opernszene hauptsächlich dort stattfindet, und nicht bei den Kompanien mit Ganzjahresbetrieb und festem Sitz, ist eine britische Besonderheit. Das Paradebeispiel liefert natürlich Glyndebourne; das in diesem Jahr seinen achtzigsten Geburtstag feiert und über drei Monate sechs Opern zeigt. Doch zwei andere...
Das Strauss-Jahr 2014 beschert der «Frau ohne Schatten» einen regelrechten Boom. Auch kleinere Häuser trauen sich an das komplexe Werk, das eine fähige Besetzung und ein gut disponiertes großes Orchester braucht.
In Saarbrücken dokumentiert der scheidende GMD Toshiyuki Kamioka eindrücklich, warum er sich als Abschiedsproduktion gerade diese Märchenoper gewünscht...
