Kasperletheater

Verdi: Il trovatore
NÜRNBERG | STAATSTHEATER

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So leicht ist Leonora nicht zu entführen: Wenn Luna sie am Ende des zweiten Teils mit seinen Soldaten dem Kloster entreißen will, greifen erstmal die Nonnen selbst zum Colt. Zu heikel wird den geistlichen Damen das Ganze erst, als auch noch Manricos Mannen in Cowboy­kluft die Bühne stürmen. Ein für Peter Konwitschny typischer V-Effekt, der das Melodramatische in Giuseppe Verdis «Il trovatore» ins Hollywoodeske und damit Komische zerrt.

Für größeres Aufsehen sorgte die Szene allerdings erst nach der Premiere, bei der nur auffiel, dass sich der Regisseur am Ende nicht verbeugte. Konwitschny, teilte kurz darauf das Staatstheater Nürnberg mit, habe sich in einer Art geäußert, die von Beteiligten als «unangemessen und diskriminierend» wahrgenommen worden sei. Was wirklich vorgefallen sein könnte, dazu äußerte sich nur der Beschuldigte: Bei einer Probe zu besagter Szene habe er einer der Nonnen, einer Schwarzen Choristin, vermitteln wollen, dass man, von einer Pistole bedroht, zwar den Körper, aber nicht den Blick abwende. Deshalb habe er zu ihr gesagt: «Das ist wie in Afrika, wenn Ihnen ein Löwe entgegenkommt, dann können Sie auch nicht weggucken.» Dass ihm am Tag darauf in einer Mail ...

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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Michael Stallknecht

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