Traumtänzer und Melancholiker
Er liebt seine Jungen, vielleicht allzu sehr. Das verzeiht er sich nicht und quält sie, sucht die Berührung in der Aggression, stößt sie weg von sich, um sie danach umso zärtlicher wieder an sich zu drücken. Und den Neuen küsst er dort auf den Nacken, wo er ihm vorher einen blauen Fleck verpasst hat. Peter Grimes ist in der Innsbrucker Erstaufführung von Brittens Oper kein bärbeißiger, brutaler Fischer, sondern ein Traumtänzer, einer, der wohl sogar liebevoller Vater wäre, könnte er sein cholerisches Temperament zügeln.
Grimes wird zum Außenseiter auch deshalb, weil er die Welt mit anderen Augen als die Dorfbewohner sieht, ein Schöngeist, der voller Ehrfurcht den Sternenhimmel deutet, den aber auch das wild aufschäumende Meer als Ort der Verschmelzung mit der Natur – und des Todes – reizt. Wolle und Wachstuch in allen erdenklichen Gelb-Gold-Tönen bestimmen seine Kleidung und die seines Jungen – mit der ganzen Ambivalenz, die diese Farbe vermittelt: Geld, das der ehrgeizige Fischer für eine allseits geachtete Existenz verdienen will, Gefahr, aber auch Schutz und Wärme.
John Charles Pierce, bereits gefeierter Tristan in Innsbruck, ist immer wie von einer sanften Gloriole umgeben und ...
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