Traumtänzer und Melancholiker
Er liebt seine Jungen, vielleicht allzu sehr. Das verzeiht er sich nicht und quält sie, sucht die Berührung in der Aggression, stößt sie weg von sich, um sie danach umso zärtlicher wieder an sich zu drücken. Und den Neuen küsst er dort auf den Nacken, wo er ihm vorher einen blauen Fleck verpasst hat. Peter Grimes ist in der Innsbrucker Erstaufführung von Brittens Oper kein bärbeißiger, brutaler Fischer, sondern ein Traumtänzer, einer, der wohl sogar liebevoller Vater wäre, könnte er sein cholerisches Temperament zügeln.
Grimes wird zum Außenseiter auch deshalb, weil er die Welt mit anderen Augen als die Dorfbewohner sieht, ein Schöngeist, der voller Ehrfurcht den Sternenhimmel deutet, den aber auch das wild aufschäumende Meer als Ort der Verschmelzung mit der Natur – und des Todes – reizt. Wolle und Wachstuch in allen erdenklichen Gelb-Gold-Tönen bestimmen seine Kleidung und die seines Jungen – mit der ganzen Ambivalenz, die diese Farbe vermittelt: Geld, das der ehrgeizige Fischer für eine allseits geachtete Existenz verdienen will, Gefahr, aber auch Schutz und Wärme.
John Charles Pierce, bereits gefeierter Tristan in Innsbruck, ist immer wie von einer sanften Gloriole umgeben und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Durch Gewitter und Sturm: Die Mannen Donalds haben eine beschwerliche Reise zum schottischen Heimathafen hinter sich. Donald? Ganz richtig: Besucher des konzertanten «Fliegenden Holländers» 2004 in der Essener Philharmonie dürften sich zunächst ungläubig die Augen gerieben haben. Die Deutsche Welle titelte klug zur «Urfassung», dass viele Wagnerianer sich über den...
Ein gutes Jahr noch, dann gehen die alten Lotsen von Bord. Zum Ende der Spielzeit 2005/06 werden Sir Peter Jonas und Zubin Mehta Münchens Musiktheater-Flaggschiff an Christoph Albrecht und Kent Nagano übergeben. Was den designierten Generalmusikdirektor betrifft, scheint die Vorfreude schon jetzt hohe Wellen zu schlagen. Zwar war Bayerns Kapitale zu Naganos...
Joseph Merrick, den Elefantenmenschen, hat es gegen Ende des 19. Jahrhunderts wirklich gegeben. Er litt an einer genetisch bedingten Nervenkrankheit, die sein Äußeres derartig entstellte, dass er seinen Lebensunterhalt in den seinerzeit sehr populären Freakshows verdienen musste. Mit siebenundzwanzig Jahren ist er, wahrscheinlich aus freien Stücken, gestorben....
