Traumata und Liebesträume
Wunder gibt es immer wieder. Auch und gerade in diesem dreiaktigen Dramma per music a, das Johannes Brahms nicht zu Unrecht als «Wunderwerk» bezeichnete und das ein gerüttelt Maß an Heroik besitzt. Mozarts «Idomeneo» steht, in seiner brüchigen Erhabenheit, für den erschütternden Protest gegen jede Form von Anpassung an das Machbare, «gegen die Idolatrie des rundum Geglückten» (Ivan Nagel). Daran ändert auch die Tatsache wenig, dass diese Seria-Oper in D-Dur beginnt und in derselben Tonart endet.
Mag es ein neues Königspaar geben, der Krieg bleibt allgegenwärtig, und er hat die Seelen aller Menschen traumatisiert. Hoffnung gedeiht hier kaum oder gar nicht. Dystopie hingegen schon.
Philipp Westerbarkei lässt daran in seiner Grazer Inszenierung von Beginn an keinen Zweifel. Auf Tatjana Ivschinas, von Sebastian Alphons meist dunkel ausgeleuchteter Bühne steht ein Koloss aus angerostetem Stahl, ein mächtiger, abweisender Monolith, den nur die Götter (oder in diesem Fall: die Technik des Hauses) verschieben können. Mal ist er (Klage)Mauer, mal Schiffsbug, mal Hafenkai (das Stück spielt auf der Insel Kreta), mal Trenn-, mal Exekutionswand. Und wenn Ilia, der Ekaterina Solunya einen ...
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Opernwelt November 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Jürgen Otten
Der Grundgedanke, den Nils C. Kumkar in seinem kürzlichen erschienenen Buch «Polarisierung» formuliert, entbehrt nicht eines gewissen dialektischen Charmes. Polarisierung, so der an Bremens Universität lehrende Soziologe, sei a priori nichts Verwerfliches, sondern, ganz im Gegenteil, wesentliche Ingredienz einer funktionierenden Demokratie. Kumkar sieht...
Zum ersten Mal habe ich Gabriel Feltz in Hamburg wahrgenommen. Das war 1991, während der Proben zu John Neumeiers Inszenierung von Bernsteins Musical «On the Town». Feltz, 20 Jahre jung, war damals Assistent des Generalmusikdirektors Gerd Albrecht und saß bei den Bühnenproben als Korrepetitor im Orchestergraben. Zu seinen Aufgaben gehörte es, uns Aushilfssänger,...
Herr Krimmel, einerseits sind Sie ein Naturbursche, der mit einem Camper durch die Gegend tuckert, andererseits ein weithin anerkannter Künstler, der hochgradig verdichtete Lyrikvertonungen interpretiert. Wie geht das zusammen?
Nun ja, wahrscheinlich dürfte ich, wenn ich es ganz ernst nehme, nur noch Schuberts «Schöne Müllerin» singen und vielleicht noch seine...
