Trauerspiel mit Ansage

Die Stimme des Tenors Rolando Villazón ist unüberhörbar beschädigt. Dennoch wird er nach wie vor gebucht – für die Bühne wie fürs Studio. Warum? Ein Abgesang aus Zuneigung

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«Alles was du bist, bist du nur durch Verträge.

» Sich an diese Warnung, von Fasolt an Wotan gerichtet, vor dem Abschluss von langfristigen Vereinbarungen mit Künstlern zu erinnern, ist ratsam – gerade bei Sängern, bei denen die Nornen-Frage zu stellen ist: «Weißt du, wie das wird?» Vor sieben Jahren kündigte die Deutsche Grammophon Gesellschaft die Aufnahme der großen Opern Mozarts in Mitschnitten von Aufführungen aus dem Festspielhaus in Baden-Baden an – mit Yannick Nézet-Séguin und dem Tenor Rolando Villazón, der in «Le nozze di Figaro» sogar den Part des Musiklehrers Basilio übernahm, um auf sieben Partien zu kommen. Der kanadische Dirigent hat bislang alle in ihn gesetzten Erwartungen bestätigt. Villazón indes wurde engagiert, obwohl es schon zu Beginn der Serie kaum Hoffnung gab, dass die seit 2006/07 beschädigte Stimme wie ein Phönix aus der Asche steigen könnte. Ist es Mut, Selbstverleugnung oder Berufung auf die Verträge, dass der Sänger im vergangenen Jahr die Titelpartie in «La clemenza di Tito» übernahm, nachdem die Stimme in den Aufnahmen der «Entführung» und von «Così fan tutte» frappierend fahl und rau geklungen hatte? Schon über Titos G-Dur-Andante «Del più sublime soglio» liegen dunkle Schatten der Heiserkeit. Den wenigen, in die zweite Oktave führenden Durchgangsnoten, am weichen Gaumen gebildet, fehlt jede tenorale Farbe. Im D-Dur-Allegro «Ah, se fosse intorno al trono» kämpft Villazón angestrengt um heroischen Ausdruck, in «Se all’impero» gegen die Sechzehntel-Koloraturketten.  ...

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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Magazin, Seite 92
von Jürgen Kesting

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