Lustvoll überdreht
Was hat der Gentleman im Dschungel zu tun?», heißt einer der Schlager aus Paul Abrahams «Blume von Hawaii». Wobei die Frage in Bad Ischl genauso gut lauten könnte: Was hat die kulturgeschichtlich eher dem Berliner Raum zugeordnete Revueoperette bei den Operettenfestspielen im österreichischen Kurort mit k.u.k.-Vergangenheit zu suchen? Die Antwort: In diesem Jahr eine ganze Menge, steht das Stück doch programmatisch für den Kurs der ästhetischen Erneuerung, den Thomas Enzinger dem Lehár-Festival angedeihen lässt.
Als er 2017 hier Intendant wurde, erfüllte er aufgrund der langfristigen Vorläufe noch ein von Vorgänger Michael Lakner entworfenes Programm.
Mit der «Blume von Hawaii» weht nun eine kräftige Brise Großstadtwind durch Bad Ischl, was vor allem auch an Enzingers eigener Inszenierung liegt. Hemmungslos überdreht, enorm temporeich und bei Bedarf auch lustvoll-sentimental kommt die Produktion daher, in der Abraham in Gestalt des Schauspielers Mark Weigel höchstpersönlich unter monströsen Kitschblüten die Showtreppe hinabsteigen darf. Die Erzählung als Lebensrückschau gibt Enzinger zum einen Gelegenheit, an das Schicksal des Komponisten zu erinnern, der 1933 aus Deutschland ...
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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Michael Stallknecht
Schön, Dich in Topform zu sehen, Simon.
Was glaubst Du, wie dankbar ich bin. Ich glaube, ich brauchte einfach mal ein Sabbatical ... ein Jahr Auszeit. Meine Kinder sind noch jung; wenn ich nicht der typische Schattenpapa sein will, müssen wir zusammen ein paar Abenteuer erleben. Natürlich wäre es besser gewesen, wenn es dazu nicht erst eines Stimmproblems bedurft...
Ja, diesem Anfang wohnt ein Zauber inne. Kraftvoll, zugleich behutsam, kurz: raumöffnend die ersten Akkorde der «Zauberflöten»-Ouvertüre. Hier vibratolose Streicher, dort schmetternde Naturtrompeten, deren differenziertes Spiel nicht eine Sekunde die Balance gefährdet. Und kaum hat das fugenähnliche Allegro begonnen, bringt Yannick Nézet-Séguin das Orchester zum...
Es ist schon merkwürdig, dass die größten Wachstumsraten im Bereich der britischen Opernszene auf dem Lande zu verzeichnen sind. Jeden Sommer scheinen abseits der Städte neue Festivals aus dem Boden zu schießen und sich die bereits bestehenden zu vergrößern – ob sie nun alljährlich die Spielzeit verlängern oder das Programm immer ambitionierter aufziehen.
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