Trau, hör, wem?

«Don Carlo» unter Antonio Pappano aus Salzburg und unter Herbert von Karajan von der Wiener Staatsoper; auch Seiji Ozawas «Ernani» kommt aus Wien

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Die «Pantoffel-Oper» sei Verrat am Musiktheater, räsonierte ein Purist kürzlich in freundschaftlicher Runde. Aus ästhetischen Gründen. Zu wenig vertrauenswürdig die Mikrofone, zu nahe die Kamera. Und ein Feind der Fantasie, die sich beim Hören von CDs eine eigene Bühne baue. Freilich erkennt man dank Großaufnahmen manchmal auch Details, die aus der Parkett- oder Rang-Perspektive vielleicht untergehen.

Wie hat man Peter Stein angegriffen für seine allzu konventionelle Inszenierung von Verdis «Don Carlos» bei den Salzburger Festspielen! Im Close-up offenbaren sich nun Details, die die Handlung logischer und plausibler erscheinen lassen; insgesamt ist freilich der Eindruck eines Besuchs im Wachsfigurenkabinett der Geschichte nicht ganz zu vermeiden.

Musikalisch erscheint indes hier manches gelungener, als man es live in Erinnerung hat. Die Wiener Philharmoniker wirken weniger laut. Alles scheint schmiegsamer und differenzierter – ganz im Sinne Antonio Pappanos – als selbst in der TV-Übertragung, wobei diese DVD auf den Aufzeichnungen des ORF beruht. Ergebnis sorgfältiger Nachbearbeitung? Oder doch Resultat unterschiedlicher Tages-Dispositionen des Hörers? Schienen Anja Harteros und ...

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Opernwelt August 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Gerhard Persché

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