Eins mit dem Eisfelsen
Ulm, Bregenz, Innsbruck, St. Gallen und jetzt Genf. Nehmen wir Bremen und Werner Schroeters kühnen Psychiatrieversuch aus, waren die Alpen stets in Sichtweite, wenn Alfredo Catalanis «La Wally» in den vergangenen Jahrzehnten zur Debatte stand. Das ist so naheliegend wie paradox. Naheliegend, weil der Ort der Handlung nicht fern ist.
Der Ort, an dem sich das Schicksal der jungen, unberührten Frau vollzieht, die, eine frühe Emanzipierte, den aufgezwungenen Freier verschmäht, vom Vater vor die Tür gesetzt wird, sich in die Region des Ewigen Eises aufmacht und dort dem unter der Lawine begrabenen Geliebten nachspringt. Paradox aber auch, weil der Komponist – sieht man von einer schon sehr verfremdeten Jodelarie ab – jeder älplerischen couleur locale aus dem Weg geht und schon so einen Schutzzaun gegen alles errichtet, was 1892 nach Verismo riechen mochte.
Und hier liegt auch das große Plus der – mit Monte Carlo koproduzierten – Genfer Neuinszenierung. Evelino Pidò dirigiert sie vom Verismo-Verdacht weg, das Orchestre de la Suisse Romande ein Muster an interpretatorischer Dezenz, noch begünstigt durch die ungewohnt tiefe Grabenplatzierung. Von größter Behutsamkeit, sehr fein, fast schon ...
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Opernwelt August 2014
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Heinz W. Koch
Der Komponist Gerhard Stäbler (Jahrgang 1949) gehört zu den Künstlern, die auf Messers Schneide operieren. Die gleichermaßen der angeblich reinen Autonomie des Ästhetischen (zumal der Systemgläubigkeit der Darmstädter Serialismus-Schule, die so monolithisch-dominant freilich gar nicht war) wie der Traditionsgattung Oper misstrauen, aber auch dem postmodernen...
The romantic hero», wahrlich ein genialer Titel für ein Album, auf dem ausschließlich französische Arien versammelt sind! Frère Jacques, dormez-vous? Manchmal, liebe Sony-Manager, soll es ja helfen, einen Moment lang nachzudenken – dann wäre vielleicht auch der Fehlgriff mit dem Dirigenten nicht passiert. Am Pult des RAI-Orchesters neigt Evelino Pidò dazu, die...
Die Wiederentdeckung des Opernschaffens von Walter Braunfels hat mit der begeisternden Inszenierung seines Hauptwerks «Die Vögel» in Osnabrück gegenüber den vorausgegangenen Stationen seit der posthumen Uraufführung seiner «Jeanne d’Arc» in Berlin (siehe OW 8/2008) einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Regisseurin Yona Kim und der junge Osnabrücker GMD Andreas Hotz...
