Tanz in den Abgrund
Wer einen der populärsten Zeitromane der Weltliteratur vertont, hat einen Riesenvorteil: Jeder kennt den Stoff. Gerade bei zeitgenössischer Musik senkt das manche Schwelle. Mit dem Vorteil kommt aber auch ein Riesenproblem. Es bringt nämlich auch jeder eine ganz persönliche Vorstellung davon mit, welche Gestalt das Ganze annehmen sollte – und ist dann enttäuscht von der konkreten Umsetzung.
Das macht sich auch an der Semperoper bemerkbar, die jetzt als erstes europäisches Haus John Harbisons «The Great Gatsby» herausgebracht hat, einen 1999 für die New Yorker Met entstandenen Zweiakter (siehe OW 2/2000). Im ungewöhnlich jungen Publikum glänzt Mode im Zwanzigerjahre-Stil, schillern Wasserwellen: Fitzgerald-Fans und Mitglieder der Swing-Szene geben sich vor Beginn erwartungsfroh – in der Pause aber schon weniger beschwingt. «Mit dem Roman kann das nicht mithalten», hört man sie raunen.
Als der Komponist sich an die Arbeit machte, wollte er aus Furcht vor ebensolchen Reaktionen gewisse Schlüsselstellen einfach unter den Tisch fallen lassen. Das redete man ihm aus: Auf geflügelte Worte wie «Her voice is full of money» warten die Leute eben! Harbison rang sich dazu durch, den Satz zu ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Wiebke Roloff
Wayne, Sie sind ursprünglich Tastenkünstler, dirigieren aber längst mehr, als Sie spielen. Wie kam’s zu diesem Sinneswandel?
Den habe ich wohl Simon Rattle zu verdanken. Eigentlich dachte ich, ich lande als Organist an einer englischen Kathedrale. Doch 1986 nahm mich meine Schwester als Begleiter für ein Vorsingen mit nach Glyndebourne, wo Simon «Porgy and Bess»...
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Herr Trumpet, ich wusste gar nicht, dass Sie sich für Oper interessieren.
Ich bitte Sie, nicht so förmlich! Für Sie einfach Donald oder Don. Doch, doch, ich bin ein Riesen-Opernfan. Da muss ich gleich an Andrea Bocelli denken: So ein lieber Mensch, schaut gut aus – und diese grandiose Stimme! Auf meiner fünften Hochzeit hat er gesungen, damals in der...
