Mit dem Teufel ins All
Endlich wieder ein Skandal an der Pariser Oper! Es ist erfrischend. Gelacht wird in der Aufführung, gerufen und geheult, so laut, dass der sonst so gelassene Philippe Jordan den Zuschauerraum um Ruhe bitten muss, damit man wenigstens das (von Christophe Grindel betörend schön gespielte) Englischhornsolo hören kann. Seit den Gerard Mortier-Jahren haben wir eine solche Stimmung an der Bastille nicht mehr erlebt.
In «Moses und Aron» hielt das Zusammenspiel von Musik (Philippe Jordan) und Szene
(Romeo Castellucci) die Zuschauer so fest gepackt, dass sie auf ihren Plätzen saßen wie gebannt (siehe OW 12/2015). Nach Krzysztof Warlikowskis Bartók-Poulenc-Abend: einhelliger Zuspruch. Aber Alvis Hermanis’ Inszenierung von Berlioz’ «La Damnation de Faust» brachte das Premierenpublikum in Rage. Dass es gleichzeitig der Gala-Abend des Fördervereins der Oper (Association pour le Rayonnement de l’Opéra national de Paris) war, trug sicher nicht zur Beruhigung der Gemüter bei: «Für so eine Schweinerei geben wir denen auch noch Geld!» – dergleichen war während der Pause in mancher Runde zu hören.
Eine solche Reaktion scheint uns völlig unverhältnismäßig. Der Ansatz des lettischen Regisseurs ist kühn, ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Christian Merlin
Als Joël Pommerat sein Theaterstück «Au monde» zum Opernlibretto umformte und dabei im Blick hatte, dass er selbst 2014 zum Regisseur der Uraufführung von Philippe Boesmans gleichnamigem Musiktheater an der Brüsseler Monnaie-Oper auserkoren war, bekannte er sich zum Unbestimmten seiner Erzählung: «Mit ‹Au monde› wollte ich Löcher und große Öffnungen schaffen.» Die...
In der Kürze liegt die Würze, meint das Sprichwort. Die Engländer sagen’s ebenso prägnant, schließlich ist Shakespeare der Urheber der Wendung: «Brevity is the soul of wit», weiß Polonius in «Hamlet». Händel muss das Prinzip gekannt haben, als er seine Oper «Partenope» schrieb, die 1729 im King’s Theatre, Haymarket, uraufgeführt wurde: An Stelle von langwierigen,...
Die Verklärung der Heiligen hat eine lange und wechselhafte Geschichte. Als Ikone der Nation wurde sie in Frankreich nicht nur von Katholiken und Monarchisten, sondern auch von Republikanern und Sozialisten verehrt. Jeder pickte sich heraus, was zur eigenen politischen Agenda passte: Gottesfurcht, Frömmigkeit, Königstreue, Kampfesmut, Volksnähe – an den Mythos der...
