Mit dem Teufel ins All
Endlich wieder ein Skandal an der Pariser Oper! Es ist erfrischend. Gelacht wird in der Aufführung, gerufen und geheult, so laut, dass der sonst so gelassene Philippe Jordan den Zuschauerraum um Ruhe bitten muss, damit man wenigstens das (von Christophe Grindel betörend schön gespielte) Englischhornsolo hören kann. Seit den Gerard Mortier-Jahren haben wir eine solche Stimmung an der Bastille nicht mehr erlebt.
In «Moses und Aron» hielt das Zusammenspiel von Musik (Philippe Jordan) und Szene
(Romeo Castellucci) die Zuschauer so fest gepackt, dass sie auf ihren Plätzen saßen wie gebannt (siehe OW 12/2015). Nach Krzysztof Warlikowskis Bartók-Poulenc-Abend: einhelliger Zuspruch. Aber Alvis Hermanis’ Inszenierung von Berlioz’ «La Damnation de Faust» brachte das Premierenpublikum in Rage. Dass es gleichzeitig der Gala-Abend des Fördervereins der Oper (Association pour le Rayonnement de l’Opéra national de Paris) war, trug sicher nicht zur Beruhigung der Gemüter bei: «Für so eine Schweinerei geben wir denen auch noch Geld!» – dergleichen war während der Pause in mancher Runde zu hören.
Eine solche Reaktion scheint uns völlig unverhältnismäßig. Der Ansatz des lettischen Regisseurs ist kühn, ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Christian Merlin
ML = Musikalische Leitung
I = Inszenierung
B = Bühnenbild
K = Kostüme
C = Chor
S = Solisten
P = Premiere
AP = A-Premiere
BP = B-Premiere
UA = Uraufführung
WA = Wiederaufnahme
Deutschland
Aachen
Tel. 0241/478 42 44+0180/500 34 64
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– Wagner, Tannhäuser: 7. (P), 21., 28.2.; 6., 13.3.; 2., 24., 30.4.; 16., 26.5.
ML: Abdullah, I: Corradi, B+K:...
«Das Vertrauen junger Menschen erwirbt man am besten dadurch, dass man nicht ihr Vater ist»: Der Aphorismus von Henry de Montherlant könnte als Gebrauchsanweisung für Verdis «Luisa Miller» (1849) dienen. Luisa und ihr Geliebter Rodolfo würden dem Franzosen dafür vermutlich all die Rosen streuen, die in Paul Esterházys Grazer Inszenierung so reichlich appliziert...
«Begeisterung»? Zu wenig. Auch mit «Fanatismus, Enthusiasmus» komme man nicht weiter. Der Neffe versicherte dem Onkel, «dass keiner dieser Begriffe das Entzücken ausdrücken kann, das diese Musik erregt hat». Nun dürfte der Neffe nicht sonderlich objektiv gewesen sein: Vincenzo Bellini selbst war der Absender, und der Brief kreiste um seine gerade uraufgeführte Oper...
