Tradition, Technik, Timbre

Wie unterschiedlich Falsettgesang klingen kann, zeigen die neuen Soloalben von Max Emanuel Cencic und Valer Barna-Sabadus

Opernwelt - Logo

Der eine ist ein seit Jahren viel beschäftigter und umjubelter Star der Alte-Musik-Szene, der andere erlebt gerade seinen Karrieredurchbruch. Doch nicht nur hinsichtlich ihres Karrierestatus und Alters unterscheiden sich Max Emanuel Cencic und Valer Barna-Sabadus: Die beiden Sänger stehen für unterschiedliche Ästhetiken des Falsettgesangs.

Cencic reiht sich mit seiner metallischen Stimme, in deren angenehmes Grundtimbre sich vor allem bei dynamischen Werten oberhalb des Pianos geräuschhafte Beiklänge mischen, in eine Tradition, die letztlich bis zur Pioniergeneration Alfred Dellers ­zurückreicht. Dass das Falsett eine künstliche oder, nach dem barocken Gesangstheoretiker Johann Friedrich Agricola, eine «gezwungene» Stimme ist, lässt Cencic bei aller technischen Souveränität nie vergessen. Barna-Sabadus dagegen führt seine Stimme in allen Lagen rund und weich, kein Vokal fällt heraus, selbst in Sopranlagen verengt sie sich nie, sie klingt fast wie die einer sehr guten Sängerin – aber eben nur fast.

Max Emanuel Cencic begann seine Karriere als Sopran, mittlerweile bevorzugt er die Mezzolage – eine kluge Entscheidung, wie einige grell und unschön geratene Spitzentöne auf dem neuen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Thomas Seedorf

Weitere Beiträge
Alles fliesst

Auf dem Wasser spielt der Wind, unter der Oberfläche tanzen Sonnenstreifen. Doch dunkle Schlieren malen Marmormuster ins klare Grau: Blut? Was während des Vorspiels auf den Gazeschleier projiziert wird, passt zu dem, was im Graben vor sich geht – denn hier verblüfft Omer Meir Wellber, der junge israelische Chefdirigent des Palau de les Arts Reina Sofia in Valencia,...

Die Tortur des Kreises

 Wo bleiben die Gehilfen? Wir warten. Und warten. Und warten. Einen ganzen Abend lang. Wie Wladimir und Estragon. Aber K.s Lakaien aus dem Schloss-Roman lassen sich so wenig blicken wie Becketts Godot. Sven Holm und seine Musiktheaterperformancetruppe Novoflot haben die beiden Clownsknechte auf ihre «Winterreise» nach Franz Kafka nicht mitgenommen. Und damit einen...

Der Krise trotzen

Frau Sonne sendet lichte Strahlen», singen die Rheintöchter und hüpfen auf ihren Trampolinen. «Frau Sonne, sende uns den Helden, der das Gold uns wiedergebe.» Zwar ist es draußen trübe an diesem Januar-Vormittag, doch der Held steht bereit. Siegfried steigt mit Schwert, Ring und Horn auf ein Brettergerüst: «Ein Albe führte mich irr.» Klavierprobe zu Götterdämmerung...