Über alle Gefühle hinweg
Kaum ein Theaterklassiker provoziert so widersprüchliche Gefühle wie Kleists Prinz von Homburg, gleichsam die preußisch-protestantische Neuauflage der altgriechischen Tragödie: Anstelle der Götter gebietet der Kurfürst über Sein oder Nichtsein.
Nachdem er den unbotmäßigen Prinzen durch das Stahlbad lutherischer Selbsterkenntnis geschickt hat, erlässt er ihm in letzter Sekunde die Todesstrafe, nur um ihn erneut als tauglichen Kampfhahn vorzuführen («In Staub mit allen Feinden Brandenburgs!») – Krieg, Krieg und nochmals Krieg, die Obsession des genial-unseligen Dichters Heinrich von Kleist.
Man begreift beim Hören bald, warum der allem Martialischen abholde Hans Werner Henze sich in die Welt dieses träumend in die Wirklichkeit geschleuderten Prinzen vertiefte. Ihn fesselten dessen Exzentrik, seine schwankende Identität, der jähe Aktionismus eines Passiven, das plötzlich monsterhaft Dreinfahrende eines androgyn Somnambulen. Harfengetränkte Bläserakkorde, ein vibrierender Streicheruntergrund, eine einsame Flötenstimme charakterisieren die Titelfigur. Wenn im zweiten und dritten Akt die Außenwelt den Entrückten einholt, hört man Kriegsfanfaren und Schlachtengetümmel, und wenn sich die ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Hans-Klaus Jungheinrich
Auf Ihrer aktuellen CD, einer Hommage an Mario Lanza, sehen Sie aus wie ein Tenor der 50er-Jahre. Auf einem Ihrer ersten Cover trugen Sie dagegen schwarzen Anzug, schwarze Krawatte, fast wie in einem italienischen Mafia-Film. Wer ist dieser Joseph Calleja eigentlich?
Wenn man das immer so genau wüsste! Ich denke, ich bin immer noch der enthusiastische Junge, 13, 14...
New York
Die Metropolitan Opera setzt zum Verdi- und Wagner-Jahr zwei Neuproduktionen an: Rigoletto mit Diana Damrau und Parsifal mit Jonas Kaufmann. Die New York City Opera spielt Powder Her Face von Thomas Adès, und an der Juilliard School erprobt sich der Nachwuchs mit L’elisir d’amore. Eine Reportage
Raritäten
Als sie 1807 in Paris erstmals vorgestellt wurde,...
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