Im Taumel der Tragödie: Corinne Winters (Violetta); Foto: Theater/Sandra Then
Totentanz
Violetta hebt ihr eigenes Grab aus. Sie, die hör- und spürbar am Leben hängt, im letzten Augenblick noch das Glück der Liebe erfährt. Falsch? Oder Korrektur einer schönfärberischen Vorstellung? Eben war noch der Karnevalstrupp wie ein Spuk hereingehuscht. Das vierte Bild von Verdis «La traviata» in Daniel Kramers Basler Neuinszenierung ist der düstere optische Widerhall der vorausgehenden. Violetta, die Gestalt im Mittelpunkt, geht immer weiter auf Distanz zur Sex- und Jux-Kommune, die anfangs in den pianissimo-Schluss des Vorspiels geplatzt war und sich fortan austobt.
Die Damen und Herren der Pariser Halbwelt präsentieren sich in grotesken Outfits (Kostüme: Esther Bialas), auf das Absurdeste be- und entkleidet, mit tollkühn neobarockem Kopfputz, in angeregtester erotischer Vollbeschäftigung. Lizzie Clachan entwarf für den blütenweißen Ball ein glitzerndes Raumrund, mit Leuchtsäulen und Spiegeleffekten allüberall. Ein Bild, das über das Landidyll steil bergab in jene Sphäre führt, da der Taumel der Tragödie weicht. Der Dreivierteltakt als Basis eines Totentanzes. Dem Intendanten der koproduzierenden English National Opera gelingt ein angemessenes Porträt: Niedergang einer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Heinz W. Koch
Der Titel dieses Doppelalbums ist nicht zu hoch gegriffen. Der Niederländer und Wahlösterreicher Robert Holl, der am 10. März seinen 70. Geburtstag feierte und auf dem Podium nach wie vor aktiv ist, zählt zu den bedeutendsten Interpreten des deutschen Liedes; auch seine großen Opernrollen (Sachs, Gurnemanz) haben von diesen Erfahrungen profitiert. Wie sein Lehrer...
Bei Titeln wie «Lieder im Volkston» mag man sich an ein Wort – oder: eine Warnung – von Bertolt Brecht erinnern: «Das Volk ist nicht tümlich.» Sollte Brecht das Volk ... überschätzt haben? Unter dem Titel «Im Volkston» veröffentlichte der Berliner Verlag Anfang des vorigen Jahrhunderts drei Sammlungen von «komponierten Volksliedern» – eigentlich eine contradictio...
Bevor Wagner in Wahnfried einziehen und das Festspielhaus in Dienst nehmen konnte – er arbeitete damals an der Instrumentation der «Götterdämmerung» –, hatte er mit vielfältigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Sie hallen in den (mindestens) 321 Briefen nach, die der Komponist 1873 schrieb. Mit dem 25. der auf 35 Bände angelegten Ausgabe sämtlicher Briefe Wagners...
