Ein Traum in Chamois
Kein Grieseln und Grausen, überhaupt kein finsterer Hexenwald wie im Märchen. Es ist ja auch keines.
Humperdincks «Königskinder» (im Schatten des so viel populäreren Stücks «Hänsel und Gretel») können ja nicht leben, glücklich bis an ihr Ende, sie sterben einen elenden Kältetod, und sei er noch so betörend überglänzt von Verklärungsmusik und Kinderchor! Es ist ein tieftrauriges Stück, das die Märchenfiguren – die Unschuld einer Gänsemagd und den Königssohn, der sein Königsein nicht erben, sondern sich verdienen will – in die verdorbene Welt jenseits des Zauberwalds schickt; in die Vorhölle von Hellastadt, wo Habgier, Egoismus und Feindseligkeit regieren, wo die Menschen nach dem Tod ihres alten Königs auf einen neuen warten und blind bleiben für den rechten, auch als er zu ihnen kommt. Ein König, der erstmal dienen will in der Wirtschaft, und eine aus dem Wald entlaufene Gänsemagd, das geht gar nicht, das muss weg. Nur die Kinder Hellastadts erkennen die Wahrheit. Das «Wehe! Wehe!» der Gänsemagd, als die Furcht sie zuerst abhält, mit dem fremden Königsmenschen aus ihrer Welt wegzulaufen und er das nicht versteht: Es klingt wie ein Nachhall des finalen «Weh!» in Wagners «Lohengrin», ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Holger Noltze
Frau Fassbaender, Sie haben einmal in einem Interview gesagt: «Ich habe ein schlechtes Gewissen beim Nichtstun, vielleicht kann ich mir das abgewöhnen.» Sind schon Fortschritte erkennbar?
Nein. Ich bin immer noch rastlos, auch in den Ferien. Da ich eingedeckt bin mit Inszenierungen, hört die Kopfarbeit nicht auf. Das finde ich ja gut! Immerhin: Ich bin so weit,...
Wer wird neues Glück uns geben? Kann man ohne König leben?», fragt das Volk am Ende von Nikolai Rimski-Korsakows Oper «Der goldene Hahn». Am Landestheater Coburg hat der regieführende Intendant Bernhard F. Loges eine vorsichtige Antwort parat: Mindestens ein paar der Höflinge nehmen die grau staubenden Perücken ab und «entsorgen» die Zarenkrone. Schließlich ist...
Le Voyage dans la Lune» ist nach «La Périchole» und «Maître Pé-ronilla» die dritte Operette Jacques Offenbachs, die das Palazzetto Bru Zane in seiner der französischen Oper gewidmeten CD-Buchreihe vorlegt. Die 1875 am Pariser Théâtre de la Gaîté uraufgeführte Opéra-féerie war einer der wenigen Sensationserfolge des späten Offenbach und wurde 186 Mal am Stück...
