Ein Traum in Chamois
Kein Grieseln und Grausen, überhaupt kein finsterer Hexenwald wie im Märchen. Es ist ja auch keines.
Humperdincks «Königskinder» (im Schatten des so viel populäreren Stücks «Hänsel und Gretel») können ja nicht leben, glücklich bis an ihr Ende, sie sterben einen elenden Kältetod, und sei er noch so betörend überglänzt von Verklärungsmusik und Kinderchor! Es ist ein tieftrauriges Stück, das die Märchenfiguren – die Unschuld einer Gänsemagd und den Königssohn, der sein Königsein nicht erben, sondern sich verdienen will – in die verdorbene Welt jenseits des Zauberwalds schickt; in die Vorhölle von Hellastadt, wo Habgier, Egoismus und Feindseligkeit regieren, wo die Menschen nach dem Tod ihres alten Königs auf einen neuen warten und blind bleiben für den rechten, auch als er zu ihnen kommt. Ein König, der erstmal dienen will in der Wirtschaft, und eine aus dem Wald entlaufene Gänsemagd, das geht gar nicht, das muss weg. Nur die Kinder Hellastadts erkennen die Wahrheit. Das «Wehe! Wehe!» der Gänsemagd, als die Furcht sie zuerst abhält, mit dem fremden Königsmenschen aus ihrer Welt wegzulaufen und er das nicht versteht: Es klingt wie ein Nachhall des finalen «Weh!» in Wagners «Lohengrin», ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Holger Noltze
Das Stück ist eine Sensation, in mehr als einer Hinsicht. 1860 an der Pariser Opé-ra-Comique uraufgeführt, danach in der Schublade verschwunden, 2018 in Strasbourg wieder ans Licht gehoben – in «Barkouf» erzählen Jacques Offenbach und sein Librettist Eugène Scribe die absurde Geschichte eines Hundes, der von einem der Aufmüpfigkeit seines Volkes überdrüssigen...
Ich hab’ eine Oper g’schrieben, da ist alles logisch d’rin», lässt Georg Kreisler den imaginären Komponisten seines «Opernboogies» mit dem schönen Titel «Der Ritter trifft die Ritterin unter einer Linde» behaupten. Die Frage, ob Kreislers an den Paradoxa der Oper rüttelnder Humor auch Mozart und Beethoven amüsiert hätte, erübrigt sich allein historisch. Auf jeden...
Die schönsten Illusionen? Bietet das Kino. Im Kino darf man träumen, bedingungslos, ohne Wenn und Aber, nur dort flimmern die verrücktesten Träume über die Leinwand und direkt ins Herz hinein. Auch für die kleine Senta ist es ein Sehnsuchtsort, in den sie, begleitet vom Vater und der strengen Aufpasserin Mary, eintaucht wie in eine längst verblichene Welt; eine...
