This sucks balls
«Fuck! This sucks. This sucks balls. This is shit. This is fucking shit!», ruft der Bariton beziehungsweise die Figur B zu Beginn – was man halt so lernt im Opernstudio der Bayerischen Staatsoper. Denn für dieses hat Miroslav Srnka gemeinsam mit dem Librettisten Tom Holloway eine Oper entwickelt, die bereits sein bereits drittes abendfüllendes Auftragswerk unter der Intendanz des scheidenden Nikolaus Bachler ist.
«Singularity» heißt sie und will – unter Anspielung auf das gleichnamige Konzept des Futurologen Ray Kurzweil – über die Folgen der Technisierung für unsere Spezies nachdenken: Menschen schicken einander Nachrichten über ihre Implantate, für die sie regelmäßige Updates benötigen, und sprechen nur noch in Phrasen, Fragmenten und Kommunikationsabbrüchen. Weshalb sie bindungsunfähig geworden sind und sich im Zweifelfall lieber wie B auf sein Computerspiel oder wie T – man ahnt es, der «Tenor» – auf seine «Trostdrohne» verlassen, statt zu «sexten». Mit anderen Worten: Holloway hat die Lektüre einiger Feuilletonartikel zum Thema «Folgen der Digitalisierung» mit tradiertem Künstlertechnikpessimismus zu einem Nichts an Handlung verrührt, das selbst bei der Vorablektüre kaum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2021
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Michael Stallknecht
Ob die arg dichotomische Teilung in Monogamie und Polygamie schon zu Mozarts Zeiten ein alter Hut war? Mit seiner Musik jedenfalls meidet der Experte in Liebesdingen jegliches Moralisieren. Die Duette der offiziell falschen Paare im zweiten Akt dieser «Schule der Liebenden» sind von so berückender Intimität und echter Zartheit, dass die Romantik der ewigen Liebe...
Der Abschied war, im ursprünglichsten Sinne des Wortes: fürstlich. Gefeiert wurde er mit einer Gala, einem opulenten Bildband (dessen Titel «Zur Freude und Erhebung» in überschaubarer Bescheidenheit die in goldenen Lettern auf dem Giebel des Meininger Theaters verewigte Huldigung an Herzog Georg II. zitiert, der den Musentempel vor gut 200 Jahren gegründet hatte)...
Was wohl wäre die ideale künstlerische Form für die Reise ins tiefste Innere zweier Nachtgeweihter, die, der Welt abhanden gekommen, von ihrer Seelenbewegung singen? Mathilde Wesendoncks Gedichte «Im Treibhaus» oder «Träume», die Richard Wagner in harmonisch zum Bersten gespannte Töne setzte? Ein für die Oper adaptiertes Kammerspiel von Strindberg? Ein auf das...
